Tagebuch einer nachhaltigen Bekanntschaft

Herzlich Willkommen!

Im April 2016 kam urplötzlich ein kurzzeitiger Mitbewohner in mein Leben. Nicht das ich ihn darum gebeten hätte. Aber mir blieb auch nichts anderes übrig als ihn erstmal willkommen zu heißen. Sein Name?

Brustkrebs

Der Gedanke diese neue Lebenserfahrung mit anderen zu teilen kam mir sehr schnell. Derzeit erkrankt eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Pro Jahr wird die Diagnose Mammakarzinom  ca. 70.000 mal gestellt (Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft). Also ein Thema das viele Frauen angeht.

Nach fast zwei Jahren habe ich gemerkt der Krebs ist bedeutend nachhaltiger wie ursprünglich gedacht. Mein anfangs sehnlichster Wunsch ,das altes Leben wiederzubekommen, ging nicht in Erfüllung. Den Weg in meine Zukunft hatte ich immer noch nicht gefunden. Aber die Hoffnung, irgendwann wieder in gaanz ruhiges Fahrwasser zu gelangen, blieb bestehen.

Es ist geschafft. Fast genau drei Jahre nach der Diagnose fühle ich mich in meinem, dann doch, neuen Leben angekommen und wohl. Ich sehe eine Zukunft auf die ich mich wieder freuen kann.

Lasst euch inspirieren.

Elke

Oktober 2018: Mit Akku geht es auch

So ganz kann ich es immer noch nicht fassen.

Ich, die totale Gegnerin des E-Bikes ist jetzt Besitzerin eines solchen. Das ist vielleicht von außen betrachtet die krasseste Veränderung seit April. Niemals hätte ich Anfang des Jahres in Betracht gezogen mit Unterstützung zu radeln. Viel zu gerne habe ich mich den Berg hochgeschunden. Jetzt da meine eigenen Akkus einfach einen Defekt im Ladevorgang haben muss es der Zweitakku am Rad richten.

Fazit: bergauf geht es jetzt zügiger, dafür ist es bergab mit dem Mehrgewicht jetzt kräfteraubender. Mein geliebtes Lady Spirit werde ich hoffentlich nicht für immer in die Ecke stellen. Das ist und bleibt einfach mein Berghammer.

15.09.19 Huimat

Unglaublich stolz bin ich heute eine Hunderunde gegangen, die ich die letzten fünf Jahre schon so oft gelaufen bin. Aber seid heute ist das meine HUIMAT.

Unvorstellbar wie mich die Gefühle übermannt haben als ich auf diesem Weg heute morgen mit Motte unterwegs war.

Ja und man könnte jetzt sagen: „Ist doch gut was der Krebs da hervor gebracht hat: Ihr seid jetzt im Allgäu dahuim.“

Und doch ist es so, dass ich all das Geschehene, die täglichen Schmerzen, die Müdigkeit und die Zweifel gerne abgeben würde um dafür nur an den Wochenenden das alles hier zu genießen. Unvergessen die Zeiten wenn wir Freitag Abend glückselig hier angekommen sind um zwei Tage Berge pur zu genießen und dann am Montag morgen mit einem fetten Grinsen im Gesicht wieder im Büro gesessen haben.

In meinem, mir noch immer etwas ungewohnten, neuen Leben geht es jetzt darum diesen Kraftort neu zu entdecken.

Mögen die Spiele beginnen…

05.07.19 Du weißt das du Rentner bist, wenn…

…Du in deiner „Arbeitswoche“ jeden Tag bei irgendeinem Arzt, Therapeuten oder im Krankenhaus ( o.k. Das waren nur Krankenbesuche) warst.

…Du die Möglichkeit hast, diese notwendigen Besuche auch mal mit einer Radltour zu verbinden

… Du dazu dein E-Bike nutzt, und langsam richtig auf den Geschmack kommst mit Motorunterstützung unterwegs zu sein (und das bis der Akku leer ist😊)

30.06.19 Und es wird immer mehr

Ich kann gar nicht so schnell nähen, wie ich zunehme…

Hilfe was ist hier los. Bisher hatte ich mich und mein Gewicht so gut im Griff. Die von vielen Frauen beschriebene Nebenwirkung der AHT „Gewichtszunahme“ konnte ich Gott sei Dank (bis jetzt) absolut nicht mein eigen nennen.

Und jetzt passt mir mittlerweile keine einzige kurze Hose mehr im Schrank. Und ich kann nachfühlen wie das ist, wenn man Klamotten ein ganzes Jahr nicht anhatte und dann freudig danach greift und feststellt, dass man nicht mehr hinein passt. Das ist und bleibt einfach kein erstrebenswertes Gefühl.

Ja, und nu?

Ich hatte mir vorgenommen, jetzt viel für mich zu nähen und wenig bis gar nichts mehr von der Stange zu kaufen. Aber wie gesagt: „ich kann gar nicht so schnell nähen, wie ich zunehme“😂.

Die ersten passenden Sachen sind fertig

Rückblick September 2018: ein Wunsch geht in Erfüllung

In der Reha hatte ich mir einen Wunsch notiert. Eine Mehrtageswanderung mit Motte.

Habe lange überlegt ob ich das kräftemässig überhaupt schaffe. Entschieden habe ich mich dann für vier Tage auf dem 🌋 Rundweg direkt vor der Haustür von Grünberg bis Herbstein. Mit der Option jederzeit mit dem Auto abgeholt werden zu können wenn es zu viel wird. Alles andere habe ich mir nicht zugetraut. Es waren wundervolle Tage. Ich habe gemerkt, wandern, fast meditativ einen Schritt vor den anderen zu setzen, tut mir unheimlich gut. In den Übernachtungsorten angekommen war nichts anderes zu tun, als zu duschen, die Energiespeicher zu füllen und schlafen. Der nächste Tag war bereits geplant und ich musste nur weiter laufen. Was eine herrliche Zeit.

Impressionen einer wundervollen Wanderung

29.05.19 Rentnerdasein

Lange nicht akzeptiert, dass es das Beste sein soll.

Lange damit gerungen ihn wirklich zu stellen.

Lange darauf gehofft, dass eine positive Entscheidung fällt…

… und heute ist er in der Post

Ich bin jetzt Rentnerin.

Auf Zeit, wegen Erwerbsminderung. Und kann noch gar nicht richtig damit umgehen. Freude vielleicht, und gleichzeitig das Gefühl „das war es jetzt“.

Ich glaube wirklich an der Akzeptanz des Rentnerdaseins muss ich noch ein wenig arbeiten.

Rückblick Juli 2018: Reha II mit Motte

Mein Rehaantrag den ich im April 2018 noch mit der Erwartung gestellt hatte, dort wieder Kraft für den Alltag zu tanken, ist problemlos bei der DRV genehmigt worden. Sogar meine Wunschklinik, in der ich Reha mit Hund 🐕 machen kann, bekam ich zugesprochen. Jetzt sieht die Situation etwas anders aus. Ich bin vorerst nicht mehr arbeitsfähig. Weiß noch gar nicht wie lange ich das sein werde, und ob die Rehaklinik für meine mittlerweile diagnostizierte schwere Erschöpfungsdepression bei chronischer Fatique die Richtige ist.

Was soll ich sagen? Das beste an der Reha war, dass Motte bei mir war.

„Rückblick Juli 2018: Reha II mit Motte“ weiterlesen

19.05.19 Kopf vs. Körper

Heut Nacht von einem Triathlon geträumt. Bin total euphorisch aufgewacht mit dem Gedanken:“ Tschakka das wird dein Tag.“ Erster Fuß aus dem Bett. Ach ja, da war doch was. Komme wie immer wie eine alte Frau aus dem Bett gekrochen. Nach dem morgendlichen Hundespaziergang das Gefühl schon alle Energie für diesen Tag verbraucht zu haben. Und zu wissen, eine Runde auf dem Rad würde doch irgendwie gut tun. Nach einer Runde 🧘‍♀️ mit der Balloon App den inneren Schweinehund überwunden. Die ersten 10 km gegen Schmerz und Müdigkeit angeradelt. Die nächsten 10 mit Genuss in die Pedalen getreten. Die letzten 10 alle Energiereserven gebraucht. Sportlich fit sieht anders aus und doch stellt sich später das Gefühl ein alles richtig gemacht zu haben. Schlussendlich sind Kopf und Körper wieder eine Einheit. Oooooommm 🧘‍♀️

Rückblick Juni 2018: Erste Schritte zum anderen ICH

Unbewusst wie sehr ich es benötigen würde, hatte ich mich im April 2018 für einen Yogakurs mit Lyn Jantosca angemeldet. Was ich nicht wissen konnte: Wie sehr mir Lyn als Yogalehrerin taugt, wie sehr ich die Meditation beim Yoga genießen kann, wie wenig anstrengende Übungen ich brauche um glücklich aus dem Kurs zu kommen.

Und ein altes Hobby habe ich im letzten Sommer wiederentdeckt. Das Nähen. Anfangs hatte ich nicht die Nerven schwierige Projekte zu meistern. Also fing ich mit Duftsäckchen an. Mittlerweile ist das Nähen so wertvoll wie jede Psychotherapie für mich. Sogar mit eigenem Instagram Profil 🤗

Rückblick April 2018: Ich will nicht mehr

Es ging…

… es ging irgendwie, aber es ging nicht gut.

Nach der Entfernung meiner Eierstöcke kurz vor Weihnachten 2017 kam ich einfach nicht mehr auf die Beine.

Ich habe das wohl gemerkt und versucht mir bei Hausärztin, Frauenärztin und Psychoonkologin Hilfe zu holen. Verstanden hat mich niemand. Selbst als ich äußerte das ich Suizid Gedanken habe wurde das abgetan. Ein Suizidversuch der vielleicht hätte verhindert werden können, wenn man mir frühzeitig geholfen hätte. So aber war die Verzweiflung über den einfach nicht mehr zu bewältigenden Alltag zu groß für mich.

Noch heute bin ich bestürzt wie wenig sich Ärzte mit der Erkrankung Fatique auskennen und beschäftigen. Ich hätte gerne auf so eine Grenzerfahrung verzichtet.

Das ist doch eigentlich ein Irrsinn. Da wird man von der vermeintlich tödlichen Erkrankung Krebs befreit und ist dann bereit freiwillig auf das Leben zu verzichten. Und das, weil sich keiner meiner behandelnden Ärzte mit den Neben- und Nachwirkungen einer Krebstherapie auseinander gesetzt hat. Hier läuft in der Krebs Nachsorge definitiv etwas falsch.