Das Leben mit Fatique Vol. 7 – Alte Knochen biegen

Hier und heute lass ich also mal die Hosen runter. Wie sieht es denn aus mit Sport bei einer chronischen Fatique?

Damals nach den zwei Brust OP’s. Oh was habe ich die Übungen belächelt, die ich vom Krankenhaus mitbekommen habe um die Beweglichkeit der Arme und des Oberkörpers wieder herzustellen. Pillepalle, Was soll ich denn damit anfangen?

Ich bin gelaufen, geradelt habe Krafttraining gemacht und sogar wieder auf der Judomatte gestanden. Weil: viel Sport bei Fatique ist ja sooo gut. NEIN, NEIN UND NOCHMAL NEIN. Ich widerspreche dem vehement. Denn die Dosis macht das Gift, das wusste schon der alte Paracelsus.

Heute sieht meine Sportwoche in etwa so aus:

  • Täglich: 30 min. MBSR Meditation für die Akzeptanz
  • Täglich: 10 min. Yoga Sonnen- oder Mondgruss für die teuflischen Schmerzen in Muskeln und Gelenken
  • täglich: 15 min. Pilates für die ganz gemächliche Stärkung aller Muskelgruppen
  • 2 mal wöchentlich: 45 min. eine ganz lockere Runde Nordic Walking
  • wöchentlich: eine Wanderung auf einer der Allgäuer Berge oder auch mal eine E-Bike Tour mit einigen Höhenmetern

Es ist genau das was mir das Gefühl gibt „es tut mir für Körper und Geist gut“. Ich ordne der täglichen Bewegung vieles unter. Das kann ich weil ich in Rente bin und auch niemanden mehr versorgen muss. Ich bin in der absolut privilegierten Situation mich hauptsächlich um mich kümmern zu dürfen und dafür bin ich sehr dankbar. Denn an manchen Tagen passiert außer dem Sportprogramm rein gar nichts mehr, weil es mir zu viel ist.

04.12.2020 Die Sucht nach Ruhe

Kann man eigentlich vom Meditieren abhängig werden?

Jeden Morgen das selbe Spiel. Nach einer Tasse Kaffee verkrümele ich mich auf meine Yoga Matte. Angefangen hat das 2018 mal mit sporadischen 10 min. Meditation mit der App Balloon (wer Boris noch nicht gehört hat, weiß nicht wie schön eine Stimme sein kann 🤩) Mittlerweile sind daraus, auch Dank MBSR, täglich 45 min. geworden und es zieht mich förmlich ganz wie von selbst auf das Yoga Kissen.

Krebs und Achtsamkeit – eine Symbiose?

Irgendwie auffällig und auch seltsam. Fast immer, so kommt es mir zumindest vor, verbindet sich die Bewältigung der Erkrankung an Krebs mit Achtsamkeit, Yoga, meditation und ähnlichem. Selbst ich, eine allem Anschein nach sooo geerdeten Person die mit beiden Beinen fest im Leben stand, ist es letztendlich nur durch den Gang in die Akzeptanz gelungen meine Frieden mit dem Brustkrebs zu finden. Zufall oder Bestimmung?

Eine Einschränkung gibt es allerdings für mich. Heilsversprechen durch Meditation, Alternative Therapien und gar Hinweise darauf, dass ein nichtachtsames Leben den Krebs erst herauf beschworen hat sind nach wie vor ein NoGo für mich.

Und darauf meine tägliche Dosis Meditation 🧘‍♂️

01.10.2020 Achtsamkeit vs. Akzeptanz

Achtsamkeit, klar… achtsam war ich schon immer.

Achtsam darauf bedacht immer

  • zu funktionieren
  • 150 % zu geben
  • es noch besser machen zu wollen.

Hat ja irgendwie nicht so recht funktioniert bei mir, die ach so viel gepriesene Achtsamkeit.

Mittlerweile habe ich verstanden, Akzeptanz ist ein viel passenderes TU-Wort um mit sich selbst besser klar zu kommen.

Zu akzeptieren wie es gerade ist, egal wie es gerade ist!

Die Weisheit zu erlangen Dinge zu akzeptieren so wie sie sind:

  • zu akzeptieren wenn es einem schlecht geht
  • zu akzeptieren wenn man mit sich hadert
  • zu akzeptieren wenn man schlecht mit sich umgeht.

Schon mehrmals hatte ich die alte Sufi-Geschichte eines orientalischen Königs gehört und die Erkenntnis daraus: …auch dies wird vorüber gehen…. mittlerweile verinnerlicht. So ist auch mein persönliches Mantra entstanden:

So wie es jetzt ist, ist es gut, denn alles geht vorüber…

28.09.2020 Das Hohelied der Achtsamkeit

Manchmal fügt sich das vermeintliche Chaos ganz still und heimlich zu einem sinnvollen Ganzen zusammen. Schon lange habe ich mit einem MBSR (mindful based stress reduction) Kurs geliebäugelt. Und im Januar einen raren Platz ergattert. Diese Kurse sind gerade im Moment aufgrund des Achtsamkeitshype schwer gefragt. Durch meine seit über einem Jahr täglichen Mediationen mit der App Balloon bin auch ich neugierig auf diese Inhalte geworden.

Jeden Tag standen somit seit Januar 45 bis 60 Minuten Achtsamkeitstraining in Form von BodyScan, Bewegungs-, Geh- und Sitzmeditation auf meinem Stundenplan. Gerade am Anfang nicht gerade leicht die Zeit und Geduld dafür aufzubringen. Wobei Achtsamkeit eigentlich wirklich nicht der richtige Begriff ist. Aber dazu demnächst mehr. Und dann kam erst einmal gar nichts. Mitte März der Lockdown und somit auch Abbruch des MBSR Kurses. Und trotzdem hatte ich schon so viel Handwerkszeug an die Hand bekommen um mich gerade in dieser unsicheren Zeit selbst in eine Schutzhülle zu packen. Nicht alles an mich heran zulassen, Dinge hinzunehmen die nicht zu ändern waren und zu erkennen wenn sich meine Gedanken in einen wahren Weltuntergangsstrudel verwandelt hatten. Dann von außen auf mich und meine Gedanken zu schauen und zu erkennen, dass dies NUR Gedanken und keine Realität sind.

Mittlerweile konnten wir den Kurs zu Ende bringen, seitdem sind jeden Tag 45 min. Meditation und Yoga zu meiner täglichen Routine geworden und

ich fühle mich von Tag zu Tag mehr in mir angekommen. Nie hätte ich es für möglich gehalten einmal so innig mit mir selbst verbunden zu sein, mir selbst die beste Freundin zu sein.

Das Leben mit Fatique Vol. 2 – der tägliche Kampf um Energie

Ja es ist Wahnsinn. Wirklich Wahnsinn. Ich kann es nicht anders erklären. Was mit mir und meinem Körper geschieht ist Wahnsinn.

Ich kann 4 Stunden am Stück Bergwandern und fühle mich danach normal erschöpft, zufrieden und ausgeglichen.

Ich gehe abends 90 min. Yoga 🧘‍♂️ machen, empfinde dies als Hochleistungssport und krieche danach mit letzter Kraft ins Bett.

Wir haben Besuch, und nach 2 Stunden Huigarte (allgäuerisch für miteinander quatschen) muss ich mich aus der Gruppe ausklinken, weil ich einfach nicht mehr kann. Nur noch Ruhe, im Bett liegen, Schlafen. Mehr ist nicht mehr möglich.

Nähprojekte brauchen keine Tage, sondern Wochen. Weil es einfach nicht möglich ist, länger wie 2 Stunden am Stück die Konzentration und Energie an der Nähmaschine aufzubringen.

Und dann gibt es sie wieder. Einzelne Tage an denen es fast so scheint, die Erschöpfung wäre verschwunden. Ich nehme sie ganz genau wahr. Erfreue mich an meiner Kraft und der Vorfreude: „Aber jetzt, jetzt ist es wirklich vorbei mit der Erschöpfung!“. Ihr habt genau gelesen, oder? Ja es sind (noch) einzelne Tage und die wiederholen sich auch (noch nicht) wirklich oft. Sie geben mir immer ein Gefühl von „ich bin wieder ich“, zu krass ist einfach die täglich spürbare Veränderung des eigenen Seins.

Rückblick Juni 2018: Erste Schritte zum anderen ICH

Unbewusst wie sehr ich es benötigen würde, hatte ich mich im April 2018 für einen Yogakurs mit Lyn Jantosca angemeldet. Was ich nicht wissen konnte: Wie sehr mir Lyn als Yogalehrerin taugt, wie sehr ich die Meditation beim Yoga genießen kann, wie wenig anstrengende Übungen ich brauche um glücklich aus dem Kurs zu kommen.

Und ein altes Hobby habe ich im letzten Sommer wiederentdeckt. Das Nähen. Anfangs hatte ich nicht die Nerven schwierige Projekte zu meistern. Also fing ich mit Duftsäckchen an. Mittlerweile ist das Nähen so wertvoll wie jede Psychotherapie für mich. Sogar mit eigenem Instagram Profil 🤗