08.07.2021 Vier Wochen ohne…

Hier mal ein kurzer Zwischenstand nach vierwöchiger Tamoxifen Abstinenz.

Ich Merk’ NIX 😩

Nein stimmt nicht ganz. Letzte Woche hatte ich einen 3 Tage Streak. Drei Tage ohne lange Schlafphasen am Mittag. Und trotzdem hat die Energie gereicht. Ich wusste gar nicht mehr wie geil (mir fällt gerade kein anderer Begriff für dieses Gefühl ein) das ist, einfach zu machen.

O.k. Die drei Tage sind rum, danach kamen drei Tage mit Besuch aus der alten Heimat, SHG Treffen und Supervision. Und wie ein Bumerang 🪃 ist auch die Erschöpfung wieder zurück. Ach Mensch, ich hatte doch tatsächlich schon Blut geleckt.

Auch die Baustelle Gelenk- und Muskelschmerzen ist noch unverändert da. Aber es sind ja erst vier Wochen, ich will meinem Körper gerne noch ein wenig Zeit geben um sich von fünf Jahren Antihormontherapie zu erholen. Veränderungen können schließlich auch im Schneckentempo funktionieren. Ein wenig mulmig ist mir aber bei dem Gedanken an womöglich lebenslangen Einschränkungen jetzt doch schon.

Das Leben mit Fatique Vol. 8 – Erschöpfung und/oder Depression?

Noch immer ist es normal, dass Fatique PatientInnen erst einmal mit dem Verdacht auf eine Depression behandelt werden. Und ja Fatique kann durchaus eine Depression auslösen. Das weiß ich ja aus eigener Erfahrung. Nur ist es so, dass ich weder vor dieser totalen Erschöpfung noch jetzt wo die Erkrankung diagnostiziert und ich damit leben gelernt habe, depressiv bin.

Ich habe über ein halbes Jahr Antidepressiva genommen. Habe durchaus akzeptiert, dass ich nach meinem Suizidversuch erst einmal wieder etwas Ruhe und Stabilität damit in mein Leben bringen konnte. Nach dem Absetzen von Escitalopram (was übrigens keineswegs ohne Entzugserscheinungen wie Herzrasen geschah) habe ich keinen Rückschlag mehr bekommen. Ich habe, im Gegenteil sogar das Gefühl wieder richtige Freude zu spüren.

Die Erschöpfung hat mich zu jeder Zeit begleitet. Sie war unverändert: vor, mit und nach der Einnahme des Antidepressivum. Klar habe ich auch jetzt immer mal wieder Tage an denen mich der Mut verlässt, mit den Einschränkungen vielleicht ein Leben lang klar kommen zu müssen. Herzhaft lachen und immer wieder die schönen Seiten des Lebens zu genießen habe ich aber auf jeden Fall wieder gelernt.

Merke: eine tumorassoziierte Fatique ist keine Depression und auch nicht gleichbedeutend mit einer Depression und kann folglich auch nicht einfach wie eine Depression behandelt werden. 

Aber natürlich ist es gut bei der Diagnostik auch zu prüfen ob neben der Fatique auch eine Depression vorliegt. Genauso wie zu prüfen ist ob Schilddrüsenwerte, Blutwerte etc. nicht der Grund der Erschöpfung sind.

Manchmal stehe ich auch heute nochmal gerne Kopf

Das Leben mit Fatique Vol. 7 – Alte Knochen biegen

Hier und heute lass ich also mal die Hosen runter. Wie sieht es denn aus mit Sport bei einer chronischen Fatique?

Damals nach den zwei Brust OP’s. Oh was habe ich die Übungen belächelt, die ich vom Krankenhaus mitbekommen habe um die Beweglichkeit der Arme und des Oberkörpers wieder herzustellen. Pillepalle, Was soll ich denn damit anfangen?

Ich bin gelaufen, geradelt habe Krafttraining gemacht und sogar wieder auf der Judomatte gestanden. Weil: viel Sport bei Fatique ist ja sooo gut. NEIN, NEIN UND NOCHMAL NEIN. Ich widerspreche dem vehement. Denn die Dosis macht das Gift, das wusste schon der alte Paracelsus.

Heute sieht meine Sportwoche in etwa so aus:

  • Täglich: 30 min. MBSR Meditation für die Akzeptanz
  • Täglich: 10 min. Yoga Sonnen- oder Mondgruss für die teuflischen Schmerzen in Muskeln und Gelenken
  • täglich: 15 min. Pilates für die ganz gemächliche Stärkung aller Muskelgruppen
  • 2 mal wöchentlich: 45 min. eine ganz lockere Runde Nordic Walking
  • wöchentlich: eine Wanderung auf einer der Allgäuer Berge oder auch mal eine E-Bike Tour mit einigen Höhenmetern

Es ist genau das was mir das Gefühl gibt „es tut mir für Körper und Geist gut“. Ich ordne der täglichen Bewegung vieles unter. Das kann ich weil ich in Rente bin und auch niemanden mehr versorgen muss. Ich bin in der absolut privilegierten Situation mich hauptsächlich um mich kümmern zu dürfen und dafür bin ich sehr dankbar. Denn an manchen Tagen passiert außer dem Sportprogramm rein gar nichts mehr, weil es mir zu viel ist.

Das Leben mit Fatique Vol. 6 – Hilfestellung

Ja, wie wird man denn jetzt eigentlich wirklich ein glücklicher Schlappfisch 🤔…

Bei einer tumor-assoziierten Fatique gibt es leider nicht DAS Heilmittel. Es wird viel geforscht, es gibt gute Tipps und doch ist jeder Patient anders. Deshalb kann ich auch hier nur meine ganz persönlichen Erfahrungen mitteilen. Um den Fall in die Energielöcher ein wenig abzufedern hat mir Vitamin D (hatte einer sehr niedrigen Wert, den sollte man vor der Substitution mit Vitamin D immer erst bestimmen lassen) geholfen. Es gibt aber auch viele Studien zu Kurkuma und Guarana oder auch das Coenzym Q10. Bei mir haben diese Mittelchen nicht angeschlagen aber das ist wirklich bei jedem unterschiedlich. Auch die Homöopathie kann unterstützen. Wie gesagt alles kann…

Ich habe ein gutes halbes Jahr ein Energietagebuch geführt. Diesen Tipp habe ich aus dem Ratgeber Krebsfatique. Ihn zu lesen kann ich nur empfehlen. Auch meinem Mann hat sich durch die Lektüre noch einmal ein ganz anderer Blick auf die Erkrankung eröffnet.

Immer wieder wird auch zu viel Bewegung bei einer Fatique geraten. Für mich ein absolut zwiespältiges Thema. Wer meinen Blog von Anfang an gelesen hat, weiß das ich vor meiner Erkrankung sehr sportlich war und auch danach versucht habe mit Sport aus der Erschöpfung zu kommen. Und da liegt meiner Meinung nach die Krux. Als ambitionierter Sportler musst du über deine Grenzen gehen um besser zu werden. Und natürlich nimmt man diesen Gedanken auch mit ins Nachkrebs-Sportlerleben. Ohne Schinden keine Verbesserung. Ein fataler Denkfehler der mich letztendlich ganz tief stürzen ließ. Sport geht heute nur noch im absoluten Wohlfühlbereich ohne jegliche Grenzerfahrung.

Heute weiß ich, wenn ich bei der Planung eines Tages schon im Vorhinein Zweifel habe wie ich die notwendige Energie dafür aufbringen soll muss ich reduzieren. Nur dann sind die bösen Energieräuber in Schach ♟ zu halten.

Der ganz große Schritt zum Glücklichsein ist für mich die Akzeptanz der Erschöpfung. Im Hier und Jetzt sein.

„So wie es jetzt ist, ist es gut, denn alles geht vorüber“

Mein Mantra auf dem Weg zum glücklich sein

Das Leben mit Fatique Vol. 5 – Die Hoffnung stirbt zuletzt

Seit April 2018 kann ich nicht mehr arbeiten. Die erste Zeit war einzig und allein davon bestimmt, es irgendwie vom Kopf her auf die Reihe zu bekommen sich nicht nutzlos zu fühlen.

Ich glaube es hat über ein Jahr gebraucht, bis ich in Gesprächen zugeben konnte: „Ich arbeite nicht, ich schaffe das nicht mehr“.

Auch heute, wir haben 2020, lese ich immer noch Stellenanzeigen. Man bin ich bescheuert, oder?

Aber nein, ich habe mich tatsächlich beworben!!!

Auf eine Stelle mit drei Stunden in der Woche! Ja ihr habt richtig gelesen. Keine 3 Stunden am Tag, keine 30 Stunden in der Woche, Nein: drei Stunden in der Woche. Und es hat trotzdem gut getan, sich dies zuzutrauen. Ob ich es wirklich geschafft hätte, drei Stunden voll konzentriert zu arbeiten… Dies bleibt (noch) ein Geheimnis, denn bekommen habe ich die Stelle nicht.

Und trotzdem erblüht leise eine gewisse Hoffnung….

Das Leben mit Fatique Vol. 4 – Stecker raus…

Müde sind wir alle. Weil wir schlecht geschlafen, Party gemacht haben, oder weil wir mal einen Infekt auskurieren müssen.

Fatique ist anders, ganz anders. Ich habe noch nie mit jemanden gesprochen, dem ich das verständlich machen konnte, außer… wenn ich mit jemandem sprach der dies schon erlebt hat.

Diese vollständige Akkuentladung. Du hast das Gefühl du bist tiefentladen. Nichts, aber auch wirklich nichts geht mehr. Mit letzter Kraft auf die Couch, weil das Bett einen Stock höher schon unerreichbar scheint.

Ich war immer Sportlerin. Konnte mich schinden, mich auspowern, meine Grenzen austesten. Die Fatique bringt dich jedoch auch ohne irgendeine sportliche Herausforderung an ein Limit, dass du mit nichts vergleichen kannst. Vielleicht liegt diese abgrundtiefe Erschöpfung auch daran, dass anders wie nach dem Sport, bei dem Endorphine ausgeschüttet werden, du bei einer Fatique nur eine ganz ganz tiefe Leere in dir spürst.

Du fühlst dich wie ein altersschwacher Akku. Viel zu schnell, viel zu tief wirst du immer und immer wieder entladen. Du hast keine Reserven mehr, lädst im besten Fall vielleicht mal wieder zur Hälfte auf, um ganz schnell auch diese Energie wieder zu verlieren.

Manchmal träume ich davon wie es wäre wenn ich diesen Akku einfach austauschen könnte wie bei einem E-Bike. Was für eine verlockende Vorstellung.

Das Leben mit Fatique Vol. 3 Rat-SCHLÄGE

Es sind Schläge. Immer und immer wieder psychische, und fast physisch spürbare Schläge, die unglaublich verletzen und Wunden in meiner Seele hinterlassen.

„Du siehst doch so gut aus…, Mensch, du hast es gut, als Rentnerin kannst du es dir doch so gemütlich machen…, Ach, müde bin ich auch immer…, so ein Leben ohne Arbeitszwang wünschte ich mir auch, …sei doch froh dass du den Krebs besiegt hast…“

NEIN, NEIN, NEIN!!!

So ein Leben wünscht sich NIEMAND. Wie oft habe ich mir schon vorgestellt, einfach im Rollstuhl zu sitzen, irgendeine körperliche Versehrtheit zur Schau stellen zu können um keinen dieser (Rat-) Schläge mehr zu bekommen.

Mein Leben ist bestimmt von Limitierungen. Und ja ich habe gelernt damit zu leben. Und ja mein Leben betrachte ich mittlerweile wieder als lebenswert. Und ja ich führe ein Leben mit viel Achtsamkeit und Ruhe. Wünschen würde ich deshalb eine Fatique wirklich keinem Menschen.

Das Leben mit Fatique Vol. 2 – der tägliche Kampf um Energie

Ja es ist Wahnsinn. Wirklich Wahnsinn. Ich kann es nicht anders erklären. Was mit mir und meinem Körper geschieht ist Wahnsinn.

Ich kann 4 Stunden am Stück Bergwandern und fühle mich danach normal erschöpft, zufrieden und ausgeglichen.

Ich gehe abends 90 min. Yoga 🧘‍♂️ machen, empfinde dies als Hochleistungssport und krieche danach mit letzter Kraft ins Bett.

Wir haben Besuch, und nach 2 Stunden Huigarte (allgäuerisch für miteinander quatschen) muss ich mich aus der Gruppe ausklinken, weil ich einfach nicht mehr kann. Nur noch Ruhe, im Bett liegen, Schlafen. Mehr ist nicht mehr möglich.

Nähprojekte brauchen keine Tage, sondern Wochen. Weil es einfach nicht möglich ist, länger wie 2 Stunden am Stück die Konzentration und Energie an der Nähmaschine aufzubringen.

Und dann gibt es sie wieder. Einzelne Tage an denen es fast so scheint, die Erschöpfung wäre verschwunden. Ich nehme sie ganz genau wahr. Erfreue mich an meiner Kraft und der Vorfreude: „Aber jetzt, jetzt ist es wirklich vorbei mit der Erschöpfung!“. Ihr habt genau gelesen, oder? Ja es sind (noch) einzelne Tage und die wiederholen sich auch (noch nicht) wirklich oft. Sie geben mir immer ein Gefühl von „ich bin wieder ich“, zu krass ist einfach die täglich spürbare Veränderung des eigenen Seins.

Das Leben mit Fatique Vol. 1 – So fühlt es sich also an kraftlos zu sein

2016 nach der Akuttherapie fing diese Erschöpfung an. Eigentlich im Nachhinein gesehen, gar nicht mal schleichend, sie war schon morgens auf der Fahrt zur Arbeit Mitfahrer im Auto und begleitete mich ab da den ganzen Tag. Welche Auswirkungen hatte das?

Wochenenden waren nur noch dazu da sich irgendwie wieder einigermaßen kräftemässig in den Griff zu bekommen

Ich habe angefangen, meine Tage genau zu planen, wann brauche ich für was, wieviel Energie… Der Gedanke dahinter: „Nur bloß nicht wieder in dieses verdammt tiefe Erschöpfungsloch fallen“.

Ein Leben ausserhalb der Arbeit war nur noch sehr eingeschränkt möglich. Kochen, Putzen, Gassi gehen. Eine Tortur.

immer wieder wollte ich mir es doch noch mal beweisen. Bin altbekannte Wege gejoggt, geradelt, gewandert. Ja ich konnte das alles noch einigermaßen. Allerdings mit der fatalen Nachwirkung tagelang gar nicht mehr richtig zu funktionieren.

Als ich anfing zu begreifen, dass dies alles nicht zum Erfolg führt, begann ich meine Arbeitszeiten zu verkürzen, meine Führungsposition im Unternehmen aufzugeben um in die 2. Reihe zurück zu treten.

Und es war immer noch zu wenig. Ich kam einfach nicht mehr auf die Beine.

Kommt dir das alles irgendwie bekannt vor? Dann mach dich mal schlau zum Thema Fatique. Auch du könntest betroffen sein.

Leben mit Fatique, oder…

…wie ich lernte ein glücklicher Schlappfisch zu sein.

Das chronische tumor-assoziierte Erschöpfungssyndrom (puh, schon alleine dieses Wort lässt mich fast verzweifeln) ist meine nachhaltige Wirkung der Krebstherapie. In meinem Blog ging es schon in einigen Beiträgen genau um dieses Thema.

Jetzt finde ich, ist es an der Zeit einmal Revue passieren zu lassen

  • was macht diese Erkrankung mit mir
  • welche langfristigen Veränderungen in meinem Leben hat sie bewirkt
  • und letztendlich wie habe ich es geschafft als (mittlerweile fast immer) glücklicher Schlappfisch im Wasser zu schwimmen.

Lasst euch überraschen

  • als Betroffene findet euren Frieden mit der für jeden ganz individuellen Fatique
  • interessierten, unbedarften Leserinnen gelingt es vielleicht, nach der Lektüre des ein oder anderen Beitrags, mit Bewertungen und Urteilen zu einer unsichtbaren Erkrankung etwas zurückhaltender zu sein. Viele von uns wären sehr dankbar dafür.

Alle kommenden Beiträge speziell zu diesem Thema findet ihr dann unter diesem Menüpunkt