Das Leben mit Fatique Vol. 2 – der tägliche Kampf um Energie

Ja es ist Wahnsinn. Wirklich Wahnsinn. Ich kann es nicht anders erklären. Was mit mir und meinem Körper geschieht ist Wahnsinn.

Ich kann 4 Stunden am Stück Bergwandern und fühle mich danach normal erschöpft, zufrieden und ausgeglichen.

Ich gehe abends 90 min. Yoga 🧘‍♂️ machen, empfinde dies als Hochleistungssport und krieche danach mit letzter Kraft ins Bett.

Wir haben Besuch, und nach 2 Stunden Huigarte (allgäuerisch für miteinander quatschen) muss ich mich aus der Gruppe ausklinken, weil ich einfach nicht mehr kann. Nur noch Ruhe, im Bett liegen, Schlafen. Mehr ist nicht mehr möglich.

Nähprojekte brauchen keine Tage, sondern Wochen. Weil es einfach nicht möglich ist, länger wie 2 Stunden am Stück die Konzentration und Energie an der Nähmaschine aufzubringen.

Und dann gibt es sie wieder. Einzelne Tage an denen es fast so scheint, die Erschöpfung wäre verschwunden. Ich nehme sie ganz genau wahr. Erfreue mich an meiner Kraft und der Vorfreude: „Aber jetzt, jetzt ist es wirklich vorbei mit der Erschöpfung!“. Ihr habt genau gelesen, oder? Ja es sind (noch) einzelne Tage und die wiederholen sich auch (noch nicht) wirklich oft. Sie geben mir immer ein Gefühl von „ich bin wieder ich“, zu krass ist einfach die täglich spürbare Veränderung des eigenen Seins.

08.05.2016 Hallo wach

Mein neuer Mitbewohner treibt seltsame Blüten.

Erst schmeisst er mich Sonntag morgen um 5.45 Uhr aus dem Bett, dann lässt er mal meinen Körper spüren, dass er da ist.

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Um 6.00 Uhr sitze ich (fast freiwillig, dank meines Mitbewohners) im Auto Richtung Marburg. Ich will nach einer fast schlaflosen Nacht die restlichen Unterlagen an der Arbeit in Ordnung bringen und freue mich auf ein gemeinsames Frühstück mit Matthias ab 9.00 Uhr.

Aber nix geht. Nach 45 Minuten intensiver Arbeit macht doch mein Kreislauf schlapp und ich lege mich erst mal flach auf den Büroboden. Wieder ein ganz neues Gefühl.

Matthias holt mich ab, die 30 min. Autofahrt nach Hause traue ich mir nicht mehr zu.

Danach schlafe ich bis 12 Uhr und bereite das Gespräch mit der Klinik morgen früh vor.

Ach übrigens, Herr Brustkrebs hat ein weiteres Kämmerchen belegt. Es gibt nämlich jetzt auch einen neuen Ordner in meiner Dropbox. „Brustkrebs“ heißt er.