05.06.21 – Der Countdown läuft

9, 8, 7, 6... Der letzte Blister Tamoxifen leert sich. Die Würfel sind gefallen.

Gemeinsam mit meinem überaus kompetenten Gynäkologen habe ich nun entschieden, meine Antihormontherapie nach fünf Jahren zu beenden. Wir waren uns nach einer in aller Ruhe geführten Diskussion einig, dass eine weitere Gabe meine Chancen auf ein Rezidiv oder Neuerkrankung nicht verringern würden. Und das ist absolut o.k. für mich.

Ja und nun🤔…

Vor gut zwei Jahren hatte ich noch das ungute Gefühl wie ich wohl damit klarkommen würde, wenn alle meine Beeinträchtigungen, die ich seid der Erkrankung habe, Tamoxifen überleben würden. Da hatte ich immer noch die gute Hoffnung alles wird wieder gut ohne Antihormontherapie.

Jetzt nach Abschluss der fünf Jahre und meiner neu erlangten Alltagsroutine macht mir gerade dieser Gedanke, alles kann wieder so werden wir vor der Erkrankung, ein mulmiges Gefühl. Ich habe ja über drei Jahre gebraucht um meinen neuen Alltag zu finden, die schönen Seiten darin zu sehen und das Verlangen nach dem alten Leben hinter mir zu lassen.

Auf der anderen Seite träume ich schon noch davon endlich wieder einfach alles machen zu können ohne darüber nachzudenken ob die Energie für all das überhaupt reicht. Nicht mehr vor der Entscheidung stehen: Sport oder Haushalt, Hund oder Küche? Oder nachts beim Umdrehen nicht mehr jedes einzelne Gelenk, jeden Muskel zu spüren als wäre man am Tag gerade einen Marathon gelaufen.

Und so werde ich mich in nächster Zeit wieder in Geduld und Demut üben, den Dingen Raum geben sich zu entfalten, denn…

Das Leben mit Fatique Vol. 6 – Hilfestellung

Ja, wie wird man denn jetzt eigentlich wirklich ein glücklicher Schlappfisch 🤔…

Bei einer tumor-assoziierten Fatique gibt es leider nicht DAS Heilmittel. Es wird viel geforscht, es gibt gute Tipps und doch ist jeder Patient anders. Deshalb kann ich auch hier nur meine ganz persönlichen Erfahrungen mitteilen. Um den Fall in die Energielöcher ein wenig abzufedern hat mir Vitamin D (hatte einer sehr niedrigen Wert, den sollte man vor der Substitution mit Vitamin D immer erst bestimmen lassen) geholfen. Es gibt aber auch viele Studien zu Kurkuma und Guarana oder auch das Coenzym Q10. Bei mir haben diese Mittelchen nicht angeschlagen aber das ist wirklich bei jedem unterschiedlich. Auch die Homöopathie kann unterstützen. Wie gesagt alles kann…

Ich habe ein gutes halbes Jahr ein Energietagebuch geführt. Diesen Tipp habe ich aus dem Ratgeber Krebsfatique. Ihn zu lesen kann ich nur empfehlen. Auch meinem Mann hat sich durch die Lektüre noch einmal ein ganz anderer Blick auf die Erkrankung eröffnet.

Immer wieder wird auch zu viel Bewegung bei einer Fatique geraten. Für mich ein absolut zwiespältiges Thema. Wer meinen Blog von Anfang an gelesen hat, weiß das ich vor meiner Erkrankung sehr sportlich war und auch danach versucht habe mit Sport aus der Erschöpfung zu kommen. Und da liegt meiner Meinung nach die Krux. Als ambitionierter Sportler musst du über deine Grenzen gehen um besser zu werden. Und natürlich nimmt man diesen Gedanken auch mit ins Nachkrebs-Sportlerleben. Ohne Schinden keine Verbesserung. Ein fataler Denkfehler der mich letztendlich ganz tief stürzen ließ. Sport geht heute nur noch im absoluten Wohlfühlbereich ohne jegliche Grenzerfahrung.

Heute weiß ich, wenn ich bei der Planung eines Tages schon im Vorhinein Zweifel habe wie ich die notwendige Energie dafür aufbringen soll muss ich reduzieren. Nur dann sind die bösen Energieräuber in Schach ♟ zu halten.

Der ganz große Schritt zum Glücklichsein ist für mich die Akzeptanz der Erschöpfung. Im Hier und Jetzt sein.

„So wie es jetzt ist, ist es gut, denn alles geht vorüber“

Mein Mantra auf dem Weg zum glücklich sein

04.12.2020 Die Sucht nach Ruhe

Kann man eigentlich vom Meditieren abhängig werden?

Jeden Morgen das selbe Spiel. Nach einer Tasse Kaffee verkrümele ich mich auf meine Yoga Matte. Angefangen hat das 2018 mal mit sporadischen 10 min. Meditation mit der App Balloon (wer Boris noch nicht gehört hat, weiß nicht wie schön eine Stimme sein kann 🤩) Mittlerweile sind daraus, auch Dank MBSR, täglich 45 min. geworden und es zieht mich förmlich ganz wie von selbst auf das Yoga Kissen.

Krebs und Achtsamkeit – eine Symbiose?

Irgendwie auffällig und auch seltsam. Fast immer, so kommt es mir zumindest vor, verbindet sich die Bewältigung der Erkrankung an Krebs mit Achtsamkeit, Yoga, meditation und ähnlichem. Selbst ich, eine allem Anschein nach sooo geerdeten Person die mit beiden Beinen fest im Leben stand, ist es letztendlich nur durch den Gang in die Akzeptanz gelungen meine Frieden mit dem Brustkrebs zu finden. Zufall oder Bestimmung?

Eine Einschränkung gibt es allerdings für mich. Heilsversprechen durch Meditation, Alternative Therapien und gar Hinweise darauf, dass ein nichtachtsames Leben den Krebs erst herauf beschworen hat sind nach wie vor ein NoGo für mich.

Und darauf meine tägliche Dosis Meditation 🧘‍♂️

Das Leben mit Fatique Vol. 5 – Die Hoffnung stirbt zuletzt

Seit April 2018 kann ich nicht mehr arbeiten. Die erste Zeit war einzig und allein davon bestimmt, es irgendwie vom Kopf her auf die Reihe zu bekommen sich nicht nutzlos zu fühlen.

Ich glaube es hat über ein Jahr gebraucht, bis ich in Gesprächen zugeben konnte: „Ich arbeite nicht, ich schaffe das nicht mehr“.

Auch heute, wir haben 2020, lese ich immer noch Stellenanzeigen. Man bin ich bescheuert, oder?

Aber nein, ich habe mich tatsächlich beworben!!!

Auf eine Stelle mit drei Stunden in der Woche! Ja ihr habt richtig gelesen. Keine 3 Stunden am Tag, keine 30 Stunden in der Woche, Nein: drei Stunden in der Woche. Und es hat trotzdem gut getan, sich dies zuzutrauen. Ob ich es wirklich geschafft hätte, drei Stunden voll konzentriert zu arbeiten… Dies bleibt (noch) ein Geheimnis, denn bekommen habe ich die Stelle nicht.

Und trotzdem erblüht leise eine gewisse Hoffnung….

31.10.19 Beruf Krebsmanagerin?

Ein Interview mit Lisa Ortgies von Frau tv hat mich hellhörig werden lassen. Sie sprach davon, dass sie ihre Erkrankung (Herzinfarkt) managen wollte. Und festgestellt hat: Krankheit, Schwäche, Leid lassen sich einfach nicht managen. Egal wieviel Managementerfahrung man einbringt.

Auch Krebs lässt sich nicht einfach managen. Lange Zeit habe auch ich genau das versucht. Und was soll ich sagen: Lisa Ortgies hat recht!

Einfach mal zulassen, dass es keinen Plan gibt.

Einmal keine Selbstübertölpelung: „Jubel, egal wie kacke das jetzt ist, ICH packe einfach alles!“

Mal den Gedanken, das Gefühl akzeptieren: Puh, der Berg ist jetzt aber grad wirklich zu hoch um ihn zu besteigen.

Einfach Dinge geschehen lassen und im HIER und JETZT anstatt im WENN und ABER zu verweilen.

Es ist doch vielleicht, wenn schon nicht möglich, auch gar nicht notwendig immer alles zu managen…4C41E15C-9A05-4D41-AB3B-7A6ED6273E5E

Rückblick Juni 2018: Erste Schritte zum anderen ICH

Unbewusst wie sehr ich es benötigen würde, hatte ich mich im April 2018 für einen Yogakurs mit Lyn Jantosca angemeldet. Was ich nicht wissen konnte: Wie sehr mir Lyn als Yogalehrerin taugt, wie sehr ich die Meditation beim Yoga genießen kann, wie wenig anstrengende Übungen ich brauche um glücklich aus dem Kurs zu kommen.

Und ein altes Hobby habe ich im letzten Sommer wiederentdeckt. Das Nähen. Anfangs hatte ich nicht die Nerven schwierige Projekte zu meistern. Also fing ich mit Duftsäckchen an. Mittlerweile ist das Nähen so wertvoll wie jede Psychotherapie für mich. Sogar mit eigenem Instagram Profil 🤗

05.05.19 Gesundheit… Was ist das eigentlich?

Es geht mir wieder GUT.

GUT geht es mir wieder, seid ich aufgehört habe unbedingt gesundsein zu wollen.

Klingt paradox?

Ist es vielleicht auch.

Statt etwas hinterherzurennen das man vielleicht nicht mehr erreichen kann tut man sich viel leichter wenn man diesen Wettbewerb aufgibt und Zufriedenheit in dem sucht was man hat.

Und wenn man erst einmal dafür sensibilisiert ist, erkennt man, dass dies noch eine Menge ist.

Wie definiert man eigentlich Gesundheit?

Gesundheit wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wie folgt definiert:

„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen, körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“

Gesundheit wird also als ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens verstanden, jedoch nicht als vorrangiges Lebensziel definiert. So wird erst die Abwesenheit von Gesundheit bewusst wahrgenommen.