Das Leben mit Fatique Vol. 9 – Selbst ist die Frau

Ist es wirklich verwunderlich, dass ich mich von Ärzten gerade etwas abwende?

Ich habe einfach das Gefühl mir kann keiner so richtig helfen. Es ist diese grosse Ratlosigkeit die ich immer wieder erlebe wenn ich bei einem Arzt sitze und von meiner Erschöpfung und meinen Schmerzen spreche. Der eine schiebt es auf die Psyche, der andere meint es wäre was mit dem Rücken, und der dritte sagt, damit kenne er sich nicht aus, aber müde seien wir doch alle mal.

Ich habe versucht mir selbst Informationen zu beschaffen, welche Untersuchungen gemacht werden sollten, welche Blutwerte notwendig sind um eine Fatique zu erkennen bzw. zu behandeln. Alles in allem doch eher ein Fischen im Trüben. Nach dem Motto, als kann, nichts muss… helfen.

Da war noch ein Hinweis, dass der Epstein-Barr-Virus eine CFS/ME auslösen kann, und ja das Pfeiffersche Drüsenfieber hatte ich tatsächlich in 2007. Und auch die Warnhinweise für Narkoseärzte für PatientInnen mit CFS/ME passen haargenau zu meinen Erfahrungen mit Narkosen in meiner Fatique Zeit. Und dann doch immer wieder der Hinweis, dass man unterscheiden muss zwischen tumorassoziierter Fatique und einer CFS/ME. Selbst wenn mir irgendein Arzt tatsächlich die ein oder andere Art bescheinigen würde, bringt mich das in meinem Alltag irgendwie weiter?

Ich fahre gerade ganz gut mit Ginseng und Vitamin D. Unerklärlicherweise war mein Vitamin D Spiegel wieder absolut im Keller (kann auch wieder keiner erklären). Und Ginseng pustet mein verkrustetes Hirn durch. Ich habe weniger Wortfindungsstörungen und kann mich auch mal für eine Stunde auf etwas konzentrieren. Halleluja 🥳

Dieses Gefühl mal wieder drei Sätze ohne Ähs und „komme grad nicht drauf wie das heißt“ an die Frau/den Mann zu bringen. Dazu meine Globuli und der Zombie in mir verwandelt sich mehr und mehr wieder in einen Menschen zurück.

Ach ja hier noch mal die kleine Auflistung was ich sonst noch so geändert habe während des letzten Jahres

  • ich trinke keinen Alkohol mehr
  • ich faste 16:8 Intervall
  • ich trinke täglich meinen frisch gepressten Gemüsesaft
  • ich meditiere jeden Tag
  • ich mache jeden Tag meinen Sonnen/Mondgruß
  • ich mache regelmäßig Pilates

Und jetzt bitte einmal alle kräftig Daumen drücken, dass ich damit auf dem richtigen Weg bin!

Das Leben mit Fatique Vol. 6 – Hilfestellung

Ja, wie wird man denn jetzt eigentlich wirklich ein glücklicher Schlappfisch 🤔…

Bei einer tumor-assoziierten Fatique gibt es leider nicht DAS Heilmittel. Es wird viel geforscht, es gibt gute Tipps und doch ist jeder Patient anders. Deshalb kann ich auch hier nur meine ganz persönlichen Erfahrungen mitteilen. Um den Fall in die Energielöcher ein wenig abzufedern hat mir Vitamin D (hatte einer sehr niedrigen Wert, den sollte man vor der Substitution mit Vitamin D immer erst bestimmen lassen) geholfen. Es gibt aber auch viele Studien zu Kurkuma und Guarana oder auch das Coenzym Q10. Bei mir haben diese Mittelchen nicht angeschlagen aber das ist wirklich bei jedem unterschiedlich. Auch die Homöopathie kann unterstützen. Wie gesagt alles kann…

Ich habe ein gutes halbes Jahr ein Energietagebuch geführt. Diesen Tipp habe ich aus dem Ratgeber Krebsfatique. Ihn zu lesen kann ich nur empfehlen. Auch meinem Mann hat sich durch die Lektüre noch einmal ein ganz anderer Blick auf die Erkrankung eröffnet.

Immer wieder wird auch zu viel Bewegung bei einer Fatique geraten. Für mich ein absolut zwiespältiges Thema. Wer meinen Blog von Anfang an gelesen hat, weiß das ich vor meiner Erkrankung sehr sportlich war und auch danach versucht habe mit Sport aus der Erschöpfung zu kommen. Und da liegt meiner Meinung nach die Krux. Als ambitionierter Sportler musst du über deine Grenzen gehen um besser zu werden. Und natürlich nimmt man diesen Gedanken auch mit ins Nachkrebs-Sportlerleben. Ohne Schinden keine Verbesserung. Ein fataler Denkfehler der mich letztendlich ganz tief stürzen ließ. Sport geht heute nur noch im absoluten Wohlfühlbereich ohne jegliche Grenzerfahrung.

Heute weiß ich, wenn ich bei der Planung eines Tages schon im Vorhinein Zweifel habe wie ich die notwendige Energie dafür aufbringen soll muss ich reduzieren. Nur dann sind die bösen Energieräuber in Schach ♟ zu halten.

Der ganz große Schritt zum Glücklichsein ist für mich die Akzeptanz der Erschöpfung. Im Hier und Jetzt sein.

„So wie es jetzt ist, ist es gut, denn alles geht vorüber“

Mein Mantra auf dem Weg zum glücklich sein

24.04.19 Ein ganzes langes Jahr…

April 2018

Der Einschlag hätte gewaltiger nicht sein können. Nichts geht mehr. Nichts ist von einem auf den anderen Tag mehr so wie es einmal war.

April 2019

Aus einem ganz tiefen Tal den Weg zurück ins Licht gefunden, und dabei erkannt:

#wennichnichtgesundbinkannichtrotzdemzufriedenleben

#wennichnichtmehrarbeitenkannistdasLebenimmernochwertvoll

#wennichmichdergelassenheithingebetrittimmerguteszutage

#wennichetwasloslassekommtganzvielgutesinmeinleben

Ja, ich gebe zu ich bin ein wahrer Spätzünder, was diese Erkenntnisse anbelangt. Und ganz freiwillig habe ich sie auch nicht erworben.

Dankbar bin ich für die therapeutische Unterstützung im letzten Jahr von Medizinern die wirklich verstehen wie es Patienten mit einer chronischen krebsassoziierten Fatique* geht.

Seit April 2018 ist (fast nichts) mehr so wie es einmal war.

Und doch ist mir das Allerwichtigste im Leben erhalten geblieben

  • Die Liebe zu meinem allerliebsten Ehemann
  • Die Liebe zu meinen Kindern
  • Die Liebe zum Allgäu
  • Die Liebe zu unserer kleinen verrückten Motte

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Alles andere habe ich (anfangs mit sehr schwerem Herzen) ziehen lassen.

DIE Chance jetzt, zurück aus dem Tief, ganz neue Möglichkeiten zu ergreifen.

*Fatigue ist eine sehr belastende Erschöpfung infolge von Krebs oder anderen chronischen Erkrankungen. Die Erschöpfung ist durch Ausruhen und Schlaf nicht zu beheben. Sie tritt plötzlich und ohne vorangegangene Anstrengung auf. Fatigue betrifft Körper, Seele und Geist.