16.08.16 Verlängerung

So fühlt es sich auf jeden Fall an.

Ich habe gefühlte Verlängerung bekommen. Bedeutet, Müdigkeit, Knochenschmerzen und die Gefahr einer Lungenentzündung sind auch die nächsten drei Wochen noch Alltag.

Sonne, Schwimmen und Sauna sind die nächsten sechs Wochen ebenfalls weiterhin ein No go.

Das war also heute die Quintessenz des wieder einmal sensationellen Abschlussgesprächs mit der Ärztin in der Strahlenklinik in Marburg: „Viel trinken, frische Luft und alles wird irgendwann wieder gut“. 😝

Kaum zu glauben wie umständlich es ist einen Adressaufkleber auf seine Krankmeldung zu bekommen. Ich sag nur „GENERVT“.

Und trotzdem hätte ich gerne ein bisschen gefeiert heute, aber  alleine macht das auch nicht wirklich Spaß.

Dann halt der Erschöpfung getrotzt und ’ne Runde gewalkt.

Scheiss auf diese Verlängerung, ich komm‘ jetzt wieder zurück. Brustkrebs war gestern!

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Probier’s mal mit Gemütlichkeit

 

 

 

17.07.16 Der Hirsch ruft

Nach gefühlten Jahren der Abstinenz (zugegeben es waren nur drei Monate) haben wir heute endlich wieder den ersten Trail im Heimatgebirge Vogelsberg unter die Räder genommen. Der Hirschtrial ist der Flowtrail auf dem Hoherodskopf und hat seinem Namen auch heute alle Ehre gemacht.

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Was ein geiles Gefühl wieder auf dem Bock zu sitzen. Da kommt kein Rennrad mit. Die Kraft gerade beim runterknüppeln fehlt noch, da ist auch mal ein Baumstamm zu viel auf dem Weg😳, aber einen Heidenspass hat’s trotzdem gemacht.

So geht’s mental wie körperlich bestens präpariert in die kommende Bestrahlungswoche.

12.07.16 Gedankenkarussell

Brustkrebs kann auch tödlich sein.  Das will ich ja nicht wirklich hören und erst recht nicht glauben. Aber der Tod der Sportreporterin Jana Thiel gestern mit 44 Jahren hat mich doch wieder daran erinnert.

Da spuken doch immer wieder auch mal Gedanken wie „was wäre wenn ich nicht krebsfrei bleibe, sich ein Rezidiv entwickelt?“ in meinem Kopf herum.

Das Leben doch irgendwie ändern, weniger arbeiten, gesünder leben und die verbleibende Zeit nur noch genießen?

15 km mit den Inlinern rund um den Niddaer Stausee  hab ich mich diesen Gedanken heut‘ hingegeben.

Fazit

ich bin ein Arbeitstier, lebe gesund genug und genießen tu ich mein Leben auch jetzt schon.

NEIN es wird gar nix geändert.

Stimmt nicht ganz. Es gab heut Superfood Quinoa Frikadellen vom vegetarischen Food Blog herrgruenkocht.

Matthias hat es auch geschmeckt, aber zugegeben das Tomahawk  Steak am Wochenende vom 1. deutschen Fleischsommelier Der Vogelsberger war ihm lieber.

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Vogelsberger Weideochse in Bestform

05.07.16 Die Luft ist raus

Puh, kann das Leben anstrengend sein…

Seit letzter Woche düse ich also jetzt jeden Morgen um kurz nach 7 Uhr nach Marburg (nicht das ich das in meinem „früheren Leben“ nicht auch immer getan hätte) und lass‘ mich bestrahlen.

Wenn ich dann gut zwei Stunden später wieder zuhause bin, geht erst mal gar nix. Ab ins Bett und noch mal ’ne Runde ausruhen ist dann angesagt.

Radeln 🚴 geht schon wieder gemächlich aber stetig. Heute das erste Mal die 30 km geknackt. Die Outdoor-Bewegung ist ja schließlich ärztlich verordnet, die lass‘ ich auf keinen Fall schleifen.

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So schön war’s heut am Wegesrand. Da fehlt der Sommer (fast) gar nicht.

Was ich gerade nicht mehr schaffe?

Jeden Tag zu arbeiten. Habe jetzt beschlossen, arbeitsmäßig wirklich etwas kürzer zu treten und nur an drei Wochentagen im Home-Office zu sitzen. Mal sehen ob es mir gelingt.

03.07.2016 Tamoxifen II

Jetzt schmeiß ich also seit 10 Tagen Tamoxifen ein.

Letzte Woche habe ich mich erst über meine Gliederschmerzen gewundert, und die Woche hat mich auch kräftemäßig echt mitgenommen. Da kam mir doch zufällig der Beipackzettel vom Tamoxifen wieder in die Hände :

Mögliche Nebenwirkungen:

häufig (1 – 10 Patienten von 100):  Muskelschmerzen

sehr häufig (mehr als 1 Patient von 10): Erschöpfung

Gegen die Gliederschmerzen bin ich dann geradelt und gelaufen. Besser wurden sie dadurch nicht, aber auch nicht schlechter. Nur ich habe mich damit dann etwas besser gefühlt.

Jetzt sind die Schmerzen aber schon sehr erträglich geworden, und ich glaube fest daran, dass die Muskelschmerzen noch ganz verschwinden werden.

Meine letzten Bedenken die ich immer noch hatte zu Tomaxifen, wurden mir letzten Freitag in einem vorbildlichen Aufklärungsgespräch im Krankenhaus in Lich genommen.

Eine junge Ärztin hat sich trotz allem Stress der an diesem Tag in der Brustsprechstunde herrschte, alle Zeit der Welt genommen um mit mir das Für und Wider zu Tomaxifen zu erörtern.

Nach diesem Gespräch habe ich erst verstanden, was es heißt als Brustkrebspatientin ernst genommen und als mündiger Patient behandelt zu werden. Meine Meinung und Bedenken zu der Antihormontherapie (AHT)  wurden von der Ärztin überhaupt nicht in Frage gestellt, sondern sie hat mir noch einmal ganz anschaulich die Wirkungsweise und die Vorteile der AHT erklärt.

Bravo Brustzentrum Lich. Macht weiter so!

Das mich dieses Gespräch nach einem schon mehrstündigen zermürbenden Martyrium bei Bestrahlung, Frauenärztin und Krankenhaus Lich doch wieder so positiv gestimmt hat, spricht für die Ärztin.

Vielen Dank

 

29.06.16 Zielscheibe

So, die nächsten sieben Wochen sind dann auch mal geplant und echt eng getaktet.

Ab jetzt wird jeder Tag um die Bestrahlung an der Uniklinik in Marburg geplant. 5 Tage die Woche über 7 Wochen. Insgesamt 36 Bestrahlungstermine liegen vor mir…

Außerdem will ich den Rat der Ärztin in der Strahlenklinik ernst nehmen und mich jeden Tag mindestens 40 min. in der freien Natur bewegen.

Durch die Bestrahlung fällt die Sauerstoffsättigung im Blut ab. Viel Bewegung verbunden mit genügend Flüssigkeit soll den Sauerstoffversorgung wieder erhöhen und dem Erschöpfungssyndrom Fatique entgegen wirken.

Ab Donnerstag heißt es früh aus den Federn. Jeden Morgen um 8.10 Uhr habe ich in der Strahlenklinik in Marburg auf der Matte zu stehen.😵 Schade, dass ich dann morgens so früh im Büro bin, dass noch keiner der Kollegen da ist. Da wird mir echt was fehlen. Aber vielleicht auch besser so, ich darf nämlich 7 Wochen kein Deo benutzen.😖

Vorbereitung für die Bestrahlung
Zielmarkierungen für die Bestrahlung

 

 

23.-26.06.16 Kraftort

Ganze sechs Wochen hat es gedauert bis wir wieder dahoim soan.

Vier herrliche Tage im Allgäu sollten mich wieder auf die Spur bringen.

und das war das passende Programm dazu:

 

Burgruine Fluhenstein
Burgruine Fluhenstein
  • Stand up paddeling am Alpsee mit herrlicher Bergkulisse
  • gemütliches Radeln nach Oberstdorf entlang der Iller bis zum Illerursprung
  • Wanderung zum verschwundenen Dorf Oberried oberhalb von Sonthofen
  • Nordic walking auf dem Hornweg am Immenstädter Horn mit teils abenteurlicher Wegsuche

Die Bewegung (oder vielleicht besser Reha-Sport) und die Ruhe haben dazu geführt das ich ein paar Entscheidungen treffen konnte.

 

18.06.16 Platzregen

Hallo Petrus,

Patschnass bis auf die Unnerbux
Patschnass bis auf die Unnerbux

hab‘ doch verstanden, dass die nächsten Wochen kein Zuckerschlecken werden. Musst du mir dann bei meiner ersten Sporteinheit gleich ein Gewitter mit Starkregen schicken?

Das Gewitter kam wie der Krebs in mein Leben, ohne Vorwarnung und mit voller Wucht.

Den Spaß hat mir das Gewitter aber nicht am Walken genommen. Das tut so gut sich wieder zu bewegen, wenn auch um einiges gemütlicher wie noch vor fünf Wochen. Continue reading „18.06.16 Platzregen“

02.06.16 Entlassung

Worte sind nur Hülsen, lieber Georgi.

Das bestätigt auch wieder das Wort Entlassung.

Für den Einen mag dieses Wort ein Schicksalsschlag bedeuten, für mich bedeutet es heute Freiheit.

Manchmal kann ich sie immer noch nicht glauben, die Diagnose Brustkrebs. Abgesehen von leichten OP Schmerzen geht es mir doch so gut. Da fehlt einfach noch mein Verständnis für die weiteren Behandlungsschritte.

Ich will endlich wieder auf den Berg,

schreit es innerlich in mir.

Und ich werde heute auch gleich wieder klein anfangen und freue mich auf den Hundespaziergang heute Mittag.

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Ein wenig müde noch der alte Herr