08.11.17 Im ewigen Jammertal?

Befinden sich wirklich so viele Menschen in meinem Umfeld in einem Jammertal oder bin ich einfach so sensibel dafür geworden?

…das Kind zu laut, der Job zu stressig, der Sport zu anstrengend und irgendwie ist immer alles viel zu viel…

Ich weiß ich bin ungerecht wenn ich denke:

„Mensch, nehmt euer Leben endlich selbst in die Hand, hört auf zu jammern, reißt euch zusammen und konzentriert euch auf die wichtigen Dinge im Leben, denn ihr habt genau nur eins!“

Aber trotzdem nervt mich das ungemein.

Verdammt, bin ich vielleicht empfindlich geworden bei Menschen die immer ein halb leeres anstatt ein halb volles Glas vor sich haben. Ich habe keine Lust mehr meine Zeit mit negativen Gedanken zu verschwenden.

Gott (oder wer auch immer) gib uns die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die wir nicht ändern können, den Mut, Dinge zu ändern, die wir ändern können, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

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Manche Aufgaben muss man auch mal unorthodox in Angriff nehmen 😁

07.03.17 Im hohen Norden

Schweren Herzens habe ich spontan die ITB in Berlin abgesagt. Bin also nur mit nach Hamburg zu einem Meeting und habe dann den Rest der Geschäftsführung alleine nach Berlin ziehen lassen. Das ist mir schon echt schwer gefallen, aber auch das gehört zu meinem Programm wieder mehr Lebensqualität zu bekommen.

Hatte dann noch einen wunderschönen Abend in Hamburg mit meiner Tochter.

Lisi, dass müssen wir öfter machen!

28.08.16 Willkommen zurück!

Die erste „richtige“ Arbeitswoche liegt hinter mir. Was ein schönes Gefühl wieder in die Normalität zu gleiten.

Meinen Plan mit 20 Stunden zu beginnen konnte ich echt gut umsetzen und ich hatte nicht das Gefühl mich zu überfordern.

Mir geht es einfach gut.

Wenn ihr mal wissen wollt wie man mit schlechter Laune umgehen sollte empfehle ich euch Vera F. Birkenbihl. Diese Frau ist der Hammer.  Eine Vorlesung von ihr hätte ich gerne mal live erlebt. Leider ist sie bereits 2011 verstorben. Von ihr kann man wirklich den Umgang mit dem Leben lernen. Jetzt laufe ich noch viel öfters lächelnd durchs Leben.

Was habt ihr eigentlich gestern bei der Hitzeschlacht so gemacht? Wir haben uns spontan für das Wurfzelt im Garten entschieden und die Nacht unter freiem Himmel verbracht.

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Abenteuer Zelten im eigenen Garten😅. Man ist nie zu alt um nicht noch Kind sein zu können. 

 

 

09.08.16 Der Plan ist gemacht

Wieso ihr so lange nichts von mir gehört habt?

Ganz einfach, Ich habe zu tun.

  • Tochter umziehen, das Küken ist also jetzt aus dem Haus (ein bisschen mulmig ist mir schon ob ich sie nicht doch dazu gedrängt habe),
  • internationalen Tag des Bieres mit Ausschank des eigenen Bieres begehen,
  • Eigentumswohnung in Marburg kaufen (ihr merkt ich gebe meinem ungebeten Mitbewohner keinerlei Macht über meine Zukunft)
  • und natürlich…

… den ultimativen Plan entwickeln.

Ich kann es nicht mehr erwarten, will auch nicht mehr geduldig sein, einfach wieder in den Alltag eintauchen.

Es stehen noch 5 Bestrahlungstermine an. Bin jetzt mittlerweile beim e-boost, hier wird jetzt nur noch die Tumorhöhle ganz gezielt mit Ionen bestrahlt, und nächsten Mittwoch ist Schluss.

Ab Montag, den 22.08. will ich dann wieder in Marburg bei Velociped meine Zelte aufschlagen, ganz entspannt mit 20 Stunden starten und langsam steigern. Das wird noch mal eine Aufgabe für das Arbeitstier, mich da zu zügeln.

Klar könnte ich jetzt auch eine dreiwöchige Reha beginnen, aber wie sagte letzte Woche eine Schwester in der Uniklinik Marburg zu mir: „Sie sind doch niemand der in einer Therapiegruppe seinen Namen tanzen will“. Sie hatte mich nach fünf Minuten bereits voll durchschaut, und meine schon fest stehende Entscheidung noch einmal untermauert.

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Das eigene Bier mit den ersten Etiketten zum Ausschank bereit

P.S. Bei der Bank in den Gesprächen zur Finanzierung der ETW hab ich übrigens dann doch nicht die Traute gehabt meinen Brustkrebs zu erwähnen. Feigling, der ich bin 😁

01.08.16 Krebs-Exil

Krebs-Exil. Dieses Wort beschreibt wohl am allerbesten wie ich mich mittlerweile fühle.

Heute morgen hatte ich ein Erlebnis um das mich bestimmt einige beneiden (vielleicht aber auch denken wie weit einen der Krebs doch bringt).

Auf dem Nachhauseweg von der Bestrahlung (heute war mal wieder so ein Tag: „an dem Bestrahlungsgerät mit den blauen Karten kommt es heute zu längeren Wartezeiten“, und ratet mal welche Farbe meine Karte hat) kam mir doch unser Velociped Bus mit meinen Chefs entgegen. Ich sofort gedreht und hinterher bis auf den Firmenhof. Mein Gott habe ich mich gefreut meine Chefs wieder zu sehen. Ganze fünf Wochen sind das jetzt her, dass ich Titan und Claude das letzte Mal gesehen habe. Die Freude war auf beiden Seiten riesengroß.image

Da wurde mir so richtig bewusst, wir sehr mir mein „altes“ Leben fehlt. Trotzdem werde ich immer introvertierter. Habe kaum noch Lust raus und unter Leute zu gehen.

Es wird Zeit für den nächsten Schritt, kann ihn kaum noch erwarten, will endlich die Wiedergeburt der Normalität erleben.

12, 11 morgen nur noch 10…

…Bestrahlungstermine, dann beginnt auch diese Herausforderung.

21.07.16 Bergfest

Jippie,

18 Bestrahlungen liegen hinter mir. Die Hälfte ist geschafft. Jetzt wird der Countdown runter gezählt.image

Meine Vormittage ähneln im Moment doch sehr dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Ich habe sogar schon einen festen Parkplatz den ich jeden Morgen pünktlich um kurz nach acht Uhr an der Uniklinik in Marburg belege (hat durchaus den Charme des deutschen Sonnenliegen-Handtuchs auf Malle).

Was ich bis heute noch nicht verschmerzt habe. Im Wartebereich in der Strahlenklinik gibt es keine Funkverbindung, ergo kein Internet, keine sozialen Medien, keine Pokémons zum einfangen , einfach rein gar nix. STÖHN. Und die besitzen doch die Frechheit dort zwei Jahre! alte Zeitungen zum Lesen anzubieten.

Gestern gab’s übrigens ein Käseküchlein für die Lieblings-Kollegen. Weiß doch was für Schleckermäuler bei Velociped arbeiten 😉

05.07.16 Die Luft ist raus

Puh, kann das Leben anstrengend sein…

Seit letzter Woche düse ich also jetzt jeden Morgen um kurz nach 7 Uhr nach Marburg (nicht das ich das in meinem „früheren Leben“ nicht auch immer getan hätte) und lass‘ mich bestrahlen.

Wenn ich dann gut zwei Stunden später wieder zuhause bin, geht erst mal gar nix. Ab ins Bett und noch mal ’ne Runde ausruhen ist dann angesagt.

Radeln 🚴 geht schon wieder gemächlich aber stetig. Heute das erste Mal die 30 km geknackt. Die Outdoor-Bewegung ist ja schließlich ärztlich verordnet, die lass‘ ich auf keinen Fall schleifen.

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So schön war’s heut am Wegesrand. Da fehlt der Sommer (fast) gar nicht.

Was ich gerade nicht mehr schaffe?

Jeden Tag zu arbeiten. Habe jetzt beschlossen, arbeitsmäßig wirklich etwas kürzer zu treten und nur an drei Wochentagen im Home-Office zu sitzen. Mal sehen ob es mir gelingt.

29.06.16 Zielscheibe

So, die nächsten sieben Wochen sind dann auch mal geplant und echt eng getaktet.

Ab jetzt wird jeder Tag um die Bestrahlung an der Uniklinik in Marburg geplant. 5 Tage die Woche über 7 Wochen. Insgesamt 36 Bestrahlungstermine liegen vor mir…

Außerdem will ich den Rat der Ärztin in der Strahlenklinik ernst nehmen und mich jeden Tag mindestens 40 min. in der freien Natur bewegen.

Durch die Bestrahlung fällt die Sauerstoffsättigung im Blut ab. Viel Bewegung verbunden mit genügend Flüssigkeit soll den Sauerstoffversorgung wieder erhöhen und dem Erschöpfungssyndrom Fatique entgegen wirken.

Ab Donnerstag heißt es früh aus den Federn. Jeden Morgen um 8.10 Uhr habe ich in der Strahlenklinik in Marburg auf der Matte zu stehen.😵 Schade, dass ich dann morgens so früh im Büro bin, dass noch keiner der Kollegen da ist. Da wird mir echt was fehlen. Aber vielleicht auch besser so, ich darf nämlich 7 Wochen kein Deo benutzen.😖

Vorbereitung für die Bestrahlung
Zielmarkierungen für die Bestrahlung

 

 

05.06.16 Lobhudelei

Es ist jetzt, nach fünf Wochen, Zeit dem Fels in meiner Brandung mal ordentlich zu danken.

Mein lieber Schatz du verstehst es einfach wunderbar mir die Unterstützung zu geben die ich jetzt brauche.

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Versprochen, es geht wieder nach oben

Es ist nicht immer einfach mit mir, wenn ich mich mal wieder (wenn auch immer nur zeitlich begrenzt) in mein Schneckenhaus zurück ziehe und stumm werde. Mich dann auch mal in Ruhe zu lassen ist sicherlich eine hohe Kunst.

Jederzeit zu erkennen, wann und wie du mir hilfreich zur Seite stehen kannst, das finde ich einfach großartig.

Was uns jetzt ungemein hilft ist unsere Offenheit gegenüber dem anderen zu jeder Zeit.

Kein Unverständnis wenn ich heute, am Sonntag, mal für vier Stunden ins Büro verschwinde, sondern einfach nur Freude wenn ich wieder da bin.

Du hast dir viele Tipps aus dem blauen Ratgeber für Angehörige geholt. Damit zeigst du mir, dass du meine Krankheit als Challenge genauso annimmst wie ich.

Wir werden daran wachsen!

DANKE MATTHIAS 

 

25.05.16 Der Kampf geht weiter

Da lag ich doch schon mit Yuko vorne, da zieht mein gegnerischer Mitbewohner mit Waza-ari an mir vorbei.

War gerade auf dem Weg zur Arbeit heute morgen als das Telefon klingelt.

Vorwahl 06404: es wird doch nicht das Krankenhaus sein?

Doch es war’s.

Die erste Hoffnung Fr. Dr. Köcker-Korus bedankt sich nur für meinen Trans-Alp Tipp bestätigt sich nicht. (War wohl auch ein naiver Gedanke, oder was denkt ihr?)

Der Pathologe hat festgestellt, dass um den entfernten Tumor zu wenig gesundes Gewebe ist.

Das heißt auf deutsch „ich muss noch mal unter’s Messer“.

Nee, das hätte nicht wirklich sein müssen, ist dann aber halt so. Nächsten Dienstag rück ich wieder ein.

Wie entspannend war dann der Nachmittag an der Arbeit. Einfach nicht nachdenken nur „Schaffen“.

Auf den Schreck gibt's heut Abend feinsten Hopfentrank
Auf den Schreck gibt’s heut Abend feinsten Hopfentrank