25.06.21 Kein Alkohol ist auch eine Lösung!

Ja, wie fang ich jetzt an. Ist mir irgendwie unangenehm das Thema. Oder besser gesagt “war“. Da geisterte schon länger eine Frage in meinem Hirn?

Habe ich ein Alkoholproblem? 

Geht man nach den allgemein verbreiteten Indizien sicherlich eher nicht. Und trotzdem hatte ich schon so oft ein ungutes Gefühl beim Feierabend-Schoppen 🍻. Ja und der Krebs hat auch seinen Beitrag dazu geleistet. Irgendwie versucht doch fast jede(r ) Krebsie eine Ursache zu finden warum gerade sie/er daran erkrankt ist. Und da kam bei mir halt oft der Gedanke: „War‘s vielleicht der Alkohol?“

Klar mit Alkohol ist so mancher Abend besonders gesellig gewesen. Der Morgen danach war es dann das ein oder andere mal nicht ganz so 😵‍💫.

Und so habe ich Anfang 2020 angefangen „kontrolliert zu trinken“. Im Nachhinein hat sich das nicht als Befreiung vom Alkohol rausgestellt. Vor lauter planen um die festgelegte Alkoholmenge einzuhalten habe ich eigentlich nur noch an Alkohol gedacht. Und doch war ich sensibilisiert für das Thema. Matthias und ich haben viel über das gesellschaftliche Ansehen von Alkohol gesprochen. Uns ist immer öfter aufgefallen, dass man auf ein Glas Wein eingeladen wird (aber nicht auf eine Limo), man komisch angeschaut wird wenn man in geselliger Runde mit ’ner Schorle anstößt oder es im Restaurant zwar eine Weinbegleitung zum 5 Gänge Menü gibt aber keine kreativen alkoholfreien Alternativen.

Im Juli 2020 habe ich zufällig ( ganz ehrlich glaube ich gar nicht das es ein Zufall war) den Podcast Ohne Alkohol mit Nathalie gehört. Der hat mir so dermaßen die Augen geöffnet wie verharmlosend unsere Gesellschaft mit der Droge Alkohol umgeht. Und ich kann auf einmal kein Verständnis mehr für einen Onkologen haben der auf einem Kongress einer Darmkrebs Patientin Mut zuspricht, dass ein gutes Glas Rotwein🍷 zu unserem Lebensstil gehört und uns auch Lebensfreude gibt.

Und so hat Nathalie Stüben mich an die Hand genommen, mir Mut gemacht und mich in meiner Entscheidung keinen Alkohol mehr zu trinken bestärkt. Das Ergebnis?

Es fühlt sich einfach nur gut an!

Und wer von euch jetzt auch ins Grübeln kommt. Macht doch spaßeshalber mal diesen kurzen Test auf der Webseite von Nathalie

05.06.21 – Der Countdown läuft

9, 8, 7, 6... Der letzte Blister Tamoxifen leert sich. Die Würfel sind gefallen.

Gemeinsam mit meinem überaus kompetenten Gynäkologen habe ich nun entschieden, meine Antihormontherapie nach fünf Jahren zu beenden. Wir waren uns nach einer in aller Ruhe geführten Diskussion einig, dass eine weitere Gabe meine Chancen auf ein Rezidiv oder Neuerkrankung nicht verringern würden. Und das ist absolut o.k. für mich.

Ja und nun🤔…

Vor gut zwei Jahren hatte ich noch das ungute Gefühl wie ich wohl damit klarkommen würde, wenn alle meine Beeinträchtigungen, die ich seid der Erkrankung habe, Tamoxifen überleben würden. Da hatte ich immer noch die gute Hoffnung alles wird wieder gut ohne Antihormontherapie.

Jetzt nach Abschluss der fünf Jahre und meiner neu erlangten Alltagsroutine macht mir gerade dieser Gedanke, alles kann wieder so werden wir vor der Erkrankung, ein mulmiges Gefühl. Ich habe ja über drei Jahre gebraucht um meinen neuen Alltag zu finden, die schönen Seiten darin zu sehen und das Verlangen nach dem alten Leben hinter mir zu lassen.

Auf der anderen Seite träume ich schon noch davon endlich wieder einfach alles machen zu können ohne darüber nachzudenken ob die Energie für all das überhaupt reicht. Nicht mehr vor der Entscheidung stehen: Sport oder Haushalt, Hund oder Küche? Oder nachts beim Umdrehen nicht mehr jedes einzelne Gelenk, jeden Muskel zu spüren als wäre man am Tag gerade einen Marathon gelaufen.

Und so werde ich mich in nächster Zeit wieder in Geduld und Demut üben, den Dingen Raum geben sich zu entfalten, denn…