Das Leben mit Fatique Vol. 8 – Erschöpfung und/oder Depression?

Noch immer ist es normal, dass Fatique PatientInnen erst einmal mit dem Verdacht auf eine Depression behandelt werden. Und ja Fatique kann durchaus eine Depression auslösen. Das weiß ich ja aus eigener Erfahrung. Nur ist es so, dass ich weder vor dieser totalen Erschöpfung noch jetzt wo die Erkrankung diagnostiziert und ich damit leben gelernt habe, depressiv bin.

Ich habe über ein halbes Jahr Antidepressiva genommen. Habe durchaus akzeptiert, dass ich nach meinem Suizidversuch erst einmal wieder etwas Ruhe und Stabilität damit in mein Leben bringen konnte. Nach dem Absetzen von Escitalopram (was übrigens keineswegs ohne Entzugserscheinungen wie Herzrasen geschah) habe ich keinen Rückschlag mehr bekommen. Ich habe, im Gegenteil sogar das Gefühl wieder richtige Freude zu spüren.

Die Erschöpfung hat mich zu jeder Zeit begleitet. Sie war unverändert: vor, mit und nach der Einnahme des Antidepressivum. Klar habe ich auch jetzt immer mal wieder Tage an denen mich der Mut verlässt, mit den Einschränkungen vielleicht ein Leben lang klar kommen zu müssen. Herzhaft lachen und immer wieder die schönen Seiten des Lebens zu genießen habe ich aber auf jeden Fall wieder gelernt.

Merke: eine tumorassoziierte Fatique ist keine Depression und auch nicht gleichbedeutend mit einer Depression und kann folglich auch nicht einfach wie eine Depression behandelt werden. 

Aber natürlich ist es gut bei der Diagnostik auch zu prüfen ob neben der Fatique auch eine Depression vorliegt. Genauso wie zu prüfen ist ob Schilddrüsenwerte, Blutwerte etc. nicht der Grund der Erschöpfung sind.

Manchmal stehe ich auch heute nochmal gerne Kopf

Das Leben mit Fatique Vol. 7 – Alte Knochen biegen

Hier und heute lass ich also mal die Hosen runter. Wie sieht es denn aus mit Sport bei einer chronischen Fatique?

Damals nach den zwei Brust OP’s. Oh was habe ich die Übungen belächelt, die ich vom Krankenhaus mitbekommen habe um die Beweglichkeit der Arme und des Oberkörpers wieder herzustellen. Pillepalle, Was soll ich denn damit anfangen?

Ich bin gelaufen, geradelt habe Krafttraining gemacht und sogar wieder auf der Judomatte gestanden. Weil: viel Sport bei Fatique ist ja sooo gut. NEIN, NEIN UND NOCHMAL NEIN. Ich widerspreche dem vehement. Denn die Dosis macht das Gift, das wusste schon der alte Paracelsus.

Heute sieht meine Sportwoche in etwa so aus:

  • Täglich: 30 min. MBSR Meditation für die Akzeptanz
  • Täglich: 10 min. Yoga Sonnen- oder Mondgruss für die teuflischen Schmerzen in Muskeln und Gelenken
  • täglich: 15 min. Pilates für die ganz gemächliche Stärkung aller Muskelgruppen
  • 2 mal wöchentlich: 45 min. eine ganz lockere Runde Nordic Walking
  • wöchentlich: eine Wanderung auf einer der Allgäuer Berge oder auch mal eine E-Bike Tour mit einigen Höhenmetern

Es ist genau das was mir das Gefühl gibt „es tut mir für Körper und Geist gut“. Ich ordne der täglichen Bewegung vieles unter. Das kann ich weil ich in Rente bin und auch niemanden mehr versorgen muss. Ich bin in der absolut privilegierten Situation mich hauptsächlich um mich kümmern zu dürfen und dafür bin ich sehr dankbar. Denn an manchen Tagen passiert außer dem Sportprogramm rein gar nichts mehr, weil es mir zu viel ist.

14.04.21 Alarm im Darm

Uaahh. Darmspiegelung. Für mich ein Wort das mich ängstigte.

Schon zwei Anläufe hatten die Ärzte genommen mich zu einer Koloskopie zu überreden.

2019 – Da waren mit Umzug beschäftigt. Hatte gerade keine Zeit dafür.

2020 – erneuter dezenter Hinweis. Mmmh, jetzt gleich? Ach ist doch grad corona Zeit und draußen so gutes Wetter😁 irgendwann bestimmt aber jetzt grad nicht.

Seitdem ging mir das Thema trotzdem nicht mehr aus dem Kopf. Im Februar habe ich dann noch mal mit meiner Hausärztin gesprochen und sie hat mir Mut gemacht.

Und tatsächlich habe ich einen Termin gemacht. Bei der Vorbesprechung kamen mir sofort wieder Bedenken. Was da alles passieren kann, diese Aufklärungsbögen sind einfach nicht mein Freund. Und dann die Anweisung zum abführen: Schon 5 Tage vorher aufpassen was man so isst. 1 1/2 Tage vorher nichts mehr essen. Dann abführen und Einlauf. Kein wirklich schöner Gedanke.

Aber o.k. Ich zieh das jetzt durch. Dann habe ich ja wieder 10 Jahre Ruhe (von wegen, aber davon später mehr). Abführen war o.k. Wurde zwar zur Snickers-Diva dank leerem Magen und war reichlich dehydriert was mir auch nachhaltige Kopfschmerzen bescherte, die Koloskopie als solches empfand ich wirklich als harmlos.

Kaum aus dem Schlummern erwacht die kurze Nachricht: „Wir haben vier Polypen entfernt, pathologischer Befund geht an den Hausarzt“. Ja und dann bei der Befundbesprechung die Info: „Mmh, also kaum zu glauben aber da wurde doch tatsächlich ein Adenom mit leichtgradigen Dysplasien, also eine Krebsvorstufe entfernt.

Ganz ehrlich, ich war geschockt. Ja es ist nur eine Vorstufe, ja sie ist rechtzeitig erkannt und entfernt worden aber WTF ist denn nur mit meinem Körper los? Das da schon wieder Zellen entarten. Wieder absolut keine Risikopatientin: kein Übergewicht, gesunde Ernährung, viel Bewegung und eigentlich noch viel zu jung. Das macht mir Angst und noch dazu kann ich mir meinen 10 Jahres Rhythmus jetzt in die Haare schmieren. Spätestens in zwei Jahren werde ich dann wohl wieder zur Snickers-Diva.