12.03.21 Drei von Sechs – muss das sein?

2016 war unsere Familie noch völlig unverdorben, Krebs in unserer Familie überhaupt kein Thema. Wir hielten uns wohl alle, meine Eltern mit damals schon über 80 Jahren und meine drei Geschwister, für unverwundbar.

Klar, wieso auch nicht. Keiner von uns hat wirklich Übergewicht, wir waren immer eine absolut sportliche Familie mit einem gesunden Lebensstil und auch es ging doch allen gut.

Vier Jahre später sind wir mittlerweile zu dritt mit der Erkrankung Krebs. Nach mir folgte mein Papa mit Blasenkrebs. Ok da dachte ich noch, mit 85 Jahren ist einfach das Risiko höher an Krebs zu erkranken. Aber nein es sollte noch nicht das Ende sein, im November 2020 hat es auch eine meiner Schwestern mit Brustkrebs erwischt.

Und da kommt auf einmal Angelina Jolie ins Spiel. Das wohl berühmteste Beispiel einer Frau die das sogenannte Brustkrebs-Gen BRCA in sich trägt und sich für eine Totaloperation entschieden hat um ihr Risiko an Brustkrebs zu erkranken (mit BRCA 60-70%) deutlich zu minimieren.

Nun will auch ich, bzw. wollen wir es wissen. Tragen wir eine Genmutation mit uns rum?

Also ging es für mich im Februar nach Ulm in die Gensprechstunde für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Beim Aufstellen der Krebs Historie kam dann noch heraus, dass meine Oma auch an Brustkrebs erkrankt war. Keiner hatte bis jetzt darüber gesprochen. Krebs, vielleicht doch ein Tabu Thema in unserer Familie?

Jetzt heißt es 2-3 Monate warten auf das Ergebnis der Blutuntersuchung. War ich beim ersten Termin in Ulm noch sehr aufgeräumt wird wohl die Besprechung des Ergebnisses mit erheblichem Muffensausen vonstatten gehen. 😬

06.03.21 Willkommen in 2021

Waaaas? Wir haben schon März. Waaaas? in diesem Jahr ist noch kein einziger Beitrag hier veröffentlicht worden? Waaas bitte schön ist denn hier los?

Das Jahr fing nicht gerade optimal an. Am 02.01. kam meine Mama ins Krankenhaus. Am 14.01. mussten wir Abschied nehmen von ihr.

Aber der Reihe nach. Es ist immer noch Pandemiezeit. Corona noch immer am Werk und das Letzte was meine Mama wollte, war in diesen Zeiten ins Krankenhaus zu müssen. Aber es ging nicht anders. So sollte mein Papa sie am 02.01. das letzte Mal sehen, bevor sie in den Rettungswagen geschoben wurde. Danach eine Woche Untersuchungen in der Klinik, keine Befunde, kurze Telefonate mit ihr da Besuchsverbot wegen Corona. Dann wurde es das erste Mal ernst. Nachts um 3:30 Uhr wird mein Papa angerufen, kann noch einmal kurz mit Mama reden bevor sie notoperiert werden muss. Warum diese OP notwendig war wissen wir bis heute nicht. Danach heißt es, sie wird die OP zu 80% nicht überleben. Und doch stabilisiert sich ihr Zustand im künstlichen Koma. Wieder scheint sie zu beweisen, wie fit sie mit ihren 92 Jahren noch ist. Eine Woche und vier OPs später sieht es jedoch anders aus. Wir werden gefragt ob wir sie gehen lassen können, ihr Zustand wird sich nicht mehr verbessern und ein Leben als Pflegefall steht im Raum. Das aber wollte meine Mama ganz sicher nicht und so war die Entscheidung schnell und einstimmig getroffen, wir geben Mama ihren Frieden und lassen sie einschlafen.

Meine Seele brauchte in dieser Zeit einfach viel Zeit und Ruhe. Durch die vielen Fahrten 500 km durch die Republik wurden meine Energiereserven mal wieder völlig zum Erliegen gebracht. Vor allem aber bin ich dankbar für das lange und bis ins Alter selbstbestimmte Leben meiner Mama. Ich konnte sie gehen lassen ohne damit zu hadern. Habe meine Frieden damit gefunden. Ein gutes Gefühl.