Das Leben mit Fatique Vol. 5 – Die Hoffnung stirbt zuletzt

Seit April 2018 kann ich nicht mehr arbeiten. Die erste Zeit war einzig und allein davon bestimmt, es irgendwie vom Kopf her auf die Reihe zu bekommen sich nicht nutzlos zu fühlen.

Ich glaube es hat über ein Jahr gebraucht, bis ich in Gesprächen zugeben konnte: „Ich arbeite nicht, ich schaffe das nicht mehr“.

Auch heute, wir haben 2020, lese ich immer noch Stellenanzeigen. Man bin ich bescheuert, oder?

Aber nein, ich habe mich tatsächlich beworben!!!

Auf eine Stelle mit drei Stunden in der Woche! Ja ihr habt richtig gelesen. Keine 3 Stunden am Tag, keine 30 Stunden in der Woche, Nein: drei Stunden in der Woche. Und es hat trotzdem gut getan, sich dies zuzutrauen. Ob ich es wirklich geschafft hätte, drei Stunden voll konzentriert zu arbeiten… Dies bleibt (noch) ein Geheimnis, denn bekommen habe ich die Stelle nicht.

Und trotzdem erblüht leise eine gewisse Hoffnung….

04.11.2020 Packen wir’s an…

Man kommt doch irgendwie nicht aus seiner Haut heraus. Wenn du dein ganzes Leben schon die Ärmel hochgekrempelt hast und dort angepackt hast wo es gerade notwendig war dann prägt das wohl fürs ganze Leben.

Im letzten Jahr in der Fatique Sprechstunde habe ich den Floh ins Ohr gesetzt bekommen:“ Mensch, so jemanden wie sie bräuchten wir hier in Kempten um wieder eine Selbsthilfegruppe für Brustkrebsbetroffene aufzubauen.“

Mmh, 🤔 Selbsthilfegruppe da hatte ich immer so ein gespaltenes Verhältnis zu. Am Anfang der Erkrankung war ja das Motto, Augen zu und durch und dann auf nimmer Wiedersehen lieber 🦀. Als dieser Plan nicht aufging, kam mir schon immer mal der Gedanke, es wäre gut sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Gerade die Ohnmacht gegenüber manchen Ärzten und ihrer Ignoranz gegenüber Nach- und Nebenwirkungen von Krebstherapien ließe sich sicher mit Unterstützung besser ertragen.

Und außerdem, wie soll das gehen mit diesen minikleinen Energiereserven. Wie soll man da gescheit etwas Neues auf die Beine stellen. Lange Rede kurzer Sinn

Ich hab dann doch die Ärmel mal wieder hochgekrempelt und TATA…

… der Schritt zur Gründung der Selbsthilfegruppe Brustkrebs und gyn. Tumoren Kempten ist getan 🥳

Und immer wieder bin ich auch am wanken, ob die Energie reicht das Ganze organisatorisch zu stemmen. Es ist so verrückt. Früher konnte es mir nicht genug ehrenamtliche Verantwortung sein. Jetzt bin ich nach 90 min. Gesprächsrunde einfach nur platt und alles dauert soooo ewig lange bis es mal erledigt ist.

Was ein Lernprozess, Dinge einfach auszusitzen wenn es mir gerade mal wieder nicht so dolle gut geht. Gleich beim ersten Treffen darauf hinzuweisen, dass nicht alles von mir alleine bewältigt werden kann. Wie hilfreich, dass wir alle mehr oder weniger im selben Boot sitzen, und in der Selbsthilfegruppe großes Verständnis da ist, wenn man Dinge nicht mehr einfach so erledigen kann.

Stolz wie Bolle … Auszeichnung mit dem Ehrenamtspreis „Sterne des Sports“ in Berlin durch den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler 2009.