28.08.16 Willkommen zurück!

Die erste „richtige“ Arbeitswoche liegt hinter mir. Was ein schönes Gefühl wieder in die Normalität zu gleiten.

Meinen Plan mit 20 Stunden zu beginnen konnte ich echt gut umsetzen und ich hatte nicht das Gefühl mich zu überfordern.

Mir geht es einfach gut.

Wenn ihr mal wissen wollt wie man mit schlechter Laune umgehen sollte empfehle ich euch Vera F. Birkenbihl. Diese Frau ist der Hammer.  Eine Vorlesung von ihr hätte ich gerne mal live erlebt. Leider ist sie bereits 2011 verstorben. Von ihr kann man wirklich den Umgang mit dem Leben lernen. Jetzt laufe ich noch viel öfters lächelnd durchs Leben.

Was habt ihr eigentlich gestern bei der Hitzeschlacht so gemacht? Wir haben uns spontan für das Wurfzelt im Garten entschieden und die Nacht unter freiem Himmel verbracht.

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Abenteuer Zelten im eigenen Garten😅. Man ist nie zu alt um nicht noch Kind sein zu können.

 

 

21.08.16 Reha Konzentrat Allgäu

Einfach verrückt. Da kommt man Freitag Abend noch total k.o. im Allgäu an und zwei Tage später fühlt man sich wieder so fit, dass man fast Bäume ausreißen könnte.

Berge sind einfach die beste Medizin. Wandern und Radeln standen also auf dem Reha-Plan dieses Wochenende.

Eigentlich sind wir um diese Zeit schon immer auf der Rückfahrt. Müssen wir unsere Kraftquelle wirklich schon verlassen?

Ach was soll’s, wir genießen noch den Sonnenuntergang hinter den Bergen und einen entspannten Abend und fahren morgen früh zurück.

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Carpe diem – Nutze den Tag

16.08.16 Verlängerung

So fühlt es sich auf jeden Fall an.

Ich habe gefühlte Verlängerung bekommen. Bedeutet, Müdigkeit, Knochenschmerzen und die Gefahr einer Lungenentzündung sind auch die nächsten drei Wochen noch Alltag.

Sonne, Schwimmen und Sauna sind die nächsten sechs Wochen ebenfalls weiterhin ein No go.

Das war also heute die Quintessenz des wieder einmal sensationellen Abschlussgesprächs mit der Ärztin in der Strahlenklinik in Marburg: „Viel trinken, frische Luft und alles wird irgendwann wieder gut“. 😝

Kaum zu glauben wie umständlich es ist einen Adressaufkleber auf seine Krankmeldung zu bekommen. Ich sag nur „GENERVT“.

Und trotzdem hätte ich gerne ein bisschen gefeiert heute, aber  alleine macht das auch nicht wirklich Spaß.

Dann halt der Erschöpfung getrotzt und ’ne Runde gewalkt.

Scheiss auf diese Verlängerung, ich komm‘ jetzt wieder zurück. Brustkrebs war gestern!

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Probier’s mal mit Gemütlichkeit

 

 

 

14.08.16 Drei, zwei, eins…

meins?

Ja, was bekomme ich eigentlich in drei Tagen wieder

  • meine Gesundheit?
  • mein altes Leben?
  • meinen Alltag?
  • meine Fitness?
  • das alleinige Wohnrecht in meinem Körper?

Irgendwie fiebert man seit über drei Monaten auf diesen Moment hin, und wenn er dann vor einem steht, weiß man gar nicht so recht etwas damit anzufangen.

In drei Tagen ist also meine Brustkrebs Therapie erst mal beendet (bis auf die Antihormontherapie, die mich ja noch mindestens fünf Jahre begleiten wird).

Aber bin ich dann offiziell sofort und gleich wieder gesund? Zumindest die Nebenwirkungen der Strahlentherapie halten unter Umständen noch ein paar Wochen an.

Bekomme ich mein altes Leben wieder zurück? Eher nein, denn natürlich verändert einen der Krebs in irgendeiner Form im Denken und Handeln.

Am liebsten würde ich ab Mittwoch wieder in den vollen Alltag hinein hüpfen, und weiß doch, dass da noch ein ganzes Stück Arbeit auf mich wartet bis ich wieder die gewohnten 150% geben kann.

Fit zu sein, war und ist auch heute noch mein Lebenselixier. Aber jetzt nur keine falschen Hoffnungen, drei Monate ausschließlich dezente Bewegungstherapie müssen erst mal kompensiert werden.

Ist mein Mitbewohner dann ab Mittwoch für immer ausgezogen, oder hat er sich nur in eine allerletzte Ecke meines Körpers zurückgezogen?

Ihr spürt das große ❓in mir.

Er bleibt spannend und unvorhersehbar, dieser Moment.

 

 

 

09.08.16 Der Plan ist gemacht

Wieso ihr so lange nichts von mir gehört habt?

Ganz einfach, Ich habe zu tun.

  • Tochter umziehen, das Küken ist also jetzt aus dem Haus (ein bisschen mulmig ist mir schon ob ich sie nicht doch dazu gedrängt habe),
  • internationalen Tag des Bieres mit Ausschank des eigenen Bieres begehen,
  • Eigentumswohnung in Marburg kaufen (ihr merkt ich gebe meinem ungebeten Mitbewohner keinerlei Macht über meine Zukunft)
  • und natürlich…

… den ultimativen Plan entwickeln.

Ich kann es nicht mehr erwarten, will auch nicht mehr geduldig sein, einfach wieder in den Alltag eintauchen.

Es stehen noch 5 Bestrahlungstermine an. Bin jetzt mittlerweile beim e-boost, hier wird jetzt nur noch die Tumorhöhle ganz gezielt mit Ionen bestrahlt, und nächsten Mittwoch ist Schluss.

Ab Montag, den 22.08. will ich dann wieder in Marburg bei Velociped meine Zelte aufschlagen, ganz entspannt mit 20 Stunden starten und langsam steigern. Das wird noch mal eine Aufgabe für das Arbeitstier, mich da zu zügeln.

Klar könnte ich jetzt auch eine dreiwöchige Reha beginnen, aber wie sagte letzte Woche eine Schwester in der Uniklinik Marburg zu mir: „Sie sind doch niemand der in einer Therapiegruppe seinen Namen tanzen will“. Sie hatte mich nach fünf Minuten bereits voll durchschaut, und meine schon fest stehende Entscheidung noch einmal untermauert.

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Das eigene Bier mit den ersten Etiketten zum Ausschank bereit

P.S. Bei der Bank in den Gesprächen zur Finanzierung der ETW hab ich übrigens dann doch nicht die Traute gehabt meinen Brustkrebs zu erwähnen. Feigling, der ich bin 😁

02.08.16 Therapie

Ein kleiner Hinweis an meinen Ex, der sich mit einer unfassbaren Nachricht gestern auch mal wieder in mein Leben schleichen wollte.

Ich würd‘ mal sagen, alles richtig gemacht vor acht Jahren mit der Entscheidung, dass Leben wieder lebenswerter zu machen.

Starke Menschen wachsen nun mal mit ihren Entscheidungen und Aufgaben, auch wenn das manchem nicht passen mag.

Das hier noch kurz zu seinem sicher lieb gemeinten Rat „du solltest grundsätzlich einmal mit einem Therapeuten sprechen“:

 

Das Leben ist immer noch eines der schönsten!

 

01.08.16 Krebs-Exil

Krebs-Exil. Dieses Wort beschreibt wohl am allerbesten wie ich mich mittlerweile fühle.

Heute morgen hatte ich ein Erlebnis um das mich bestimmt einige beneiden (vielleicht aber auch denken wie weit einen der Krebs doch bringt).

Auf dem Nachhauseweg von der Bestrahlung (heute war mal wieder so ein Tag: „an dem Bestrahlungsgerät mit den blauen Karten kommt es heute zu längeren Wartezeiten“, und ratet mal welche Farbe meine Karte hat) kam mir doch unser Velociped Bus mit meinen Chefs entgegen. Ich sofort gedreht und hinterher bis auf den Firmenhof. Mein Gott habe ich mich gefreut meine Chefs wieder zu sehen. Ganze fünf Wochen sind das jetzt her, dass ich Titan und Claude das letzte Mal gesehen habe. Die Freude war auf beiden Seiten riesengroß.image

Da wurde mir so richtig bewusst, wir sehr mir mein „altes“ Leben fehlt. Trotzdem werde ich immer introvertierter. Habe kaum noch Lust raus und unter Leute zu gehen.

Es wird Zeit für den nächsten Schritt, kann ihn kaum noch erwarten, will endlich die Wiedergeburt der Normalität erleben.

12, 11 morgen nur noch 10…

…Bestrahlungstermine, dann beginnt auch diese Herausforderung.