29.06.16 Zielscheibe

So, die nächsten sieben Wochen sind dann auch mal geplant und echt eng getaktet.

Ab jetzt wird jeder Tag um die Bestrahlung an der Uniklinik in Marburg geplant. 5 Tage die Woche über 7 Wochen. Insgesamt 36 Bestrahlungstermine liegen vor mir…

Außerdem will ich den Rat der Ärztin in der Strahlenklinik ernst nehmen und mich jeden Tag mindestens 40 min. in der freien Natur bewegen.

Durch die Bestrahlung fällt die Sauerstoffsättigung im Blut ab. Viel Bewegung verbunden mit genügend Flüssigkeit soll den Sauerstoffversorgung wieder erhöhen und dem Erschöpfungssyndrom Fatique entgegen wirken.

Ab Donnerstag heißt es früh aus den Federn. Jeden Morgen um 8.10 Uhr habe ich in der Strahlenklinik in Marburg auf der Matte zu stehen.😵 Schade, dass ich dann morgens so früh im Büro bin, dass noch keiner der Kollegen da ist. Da wird mir echt was fehlen. Aber vielleicht auch besser so, ich darf nämlich 7 Wochen kein Deo benutzen.😖

Vorbereitung für die Bestrahlung
Zielmarkierungen für die Bestrahlung

 

 

27.06.16 Tamoxifen

Eine Entscheidung aus Burgberg:image

Seit Freitag nehme ich tatsächlich Tamoxifen, nachdem meine Frauenärztin am Mittwoch versichert hat, dass viele Frauen die (nicht wirklich harmlosen) Nebenwirkungen gar nicht haben. Sie hat mir Mut gemacht, es auszuprobieren. Absetzen kann man das Medikament immer. Ich bin gespannt, wie das bei mir so laufen wird.

Habe die Heilpraktikerin, die auf meine Frage zu Tomaxifen Folgendes geantwortet hat, gleich wieder aus meinen Kontakten  verbannt:

Tamoxifen ist ein Teufelszeug mit vielen Nebenwirkungen und noch unbekannten Spätfolgen! Hast du schon mal über eine Entfernung der Eierstöcke nachgedacht?

Eierstöcke entfernen lassen mit 50? Kurz vor den Wechseljahren, nachdem die Eierstöcke dann eh kein Östrogen mehr produzieren mit der Alternative noch stärkere Medikamente nehmen zu müssen? Nein, danke.

Es gibt aber einen DNA Test der nachweisen soll ob das Tamoxifen bei einem überhaupt anspricht. Bei bis zu 7% der Frauen ist das wohl nicht so. Dieser Test wird aber nicht von der Krankenkasse bezahlt. Darauf werde ich am Freitag noch mal Frau Dr. Köcker-Korus im Krankenhaus in Lich ansprechen.

 

23.-26.06.16 Kraftort

Ganze sechs Wochen hat es gedauert bis wir wieder dahuim san.

Vier herrliche Tage im Allgäu sollten mich wieder auf die Spur bringen.

und das war das passende Programm dazu:

 

Burgruine Fluhenstein
Burgruine Fluhenstein
  • Stand up paddeling am Alpsee mit herrlicher Bergkulisse
  • gemütliches Radeln nach Oberstdorf entlang der Iller bis zum Illerursprung
  • Wanderung zum verschwundenen Dorf Oberried oberhalb von Sonthofen
  • Nordic walking auf dem Hornweg am Immenstädter Horn mit teils abenteurlicher Wegsuche

Die Bewegung (oder vielleicht besser Reha-Sport) und die Ruhe haben dazu geführt das ich ein paar Entscheidungen treffen konnte.

 

18.06.16 Platzregen

Hallo Petrus,

Patschnass bis auf die Unnerbux
Patschnass bis auf die Unnerbux

hab‘ doch verstanden, dass die nächsten Wochen kein Zuckerschlecken werden. Musst du mir dann bei meiner ersten Sporteinheit gleich ein Gewitter mit Starkregen schicken?

Das Gewitter kam wie der Krebs in mein Leben, ohne Vorwarnung und mit voller Wucht.

Den Spaß hat mir das Gewitter aber nicht am Walken genommen. Das tut so gut sich wieder zu bewegen, wenn auch um einiges gemütlicher wie noch vor fünf Wochen. „18.06.16 Platzregen“ weiterlesen

13.06.16 Ein ganz besonderer Tag

Stell dir vor du feierst Geburtstag und gehst nicht hin.

8:00 Uhr: Mann, was ein Wetter heute. Der Himmel zeigt sich dunkelgrau und so sieht es morgens auch bei mir im Gemüt aus.

Was ein Glück, dass es die fleißige Claudia von Velociped gibt, die mich den ganzen Vormittag mit Arbeit gut eindeckt. Hinter diesem Schutzwall verstecke ich mich dann auch erst mal vor telefonischen Glückwünschen.

14:00 Uhr: Wetter und Gemüt haben sich beruhigt. O.k., dass Wetter gibt noch nicht ganz Ruhe und bäumt sich bis 15.40 Uhr noch mal so richtig auf, aber die Planungen für heute Abend laufen.

18:00 Uhr: Was soll ich sagen? Am Himmel und in meinem Herzen strahlt die Sonne. Die ersten Gäste trudeln ein.

00:30 Uhr: Feierabend. Im Bett höre ich noch die fleißigen Heinzelmännchen im Wohnzimmer (Danke Anna  Lisa, Tom Felix und Kim Melissa)

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Ihr alle habt diesen Tag zu einem tollen Tag gemacht
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The day after…

11.06.16 Lesestunde

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Gerade dabei mit ’nem guten Latte Macchiato auf der Terrasse das Internet zum Thema Antihormontherapie zu befragen.

Bin auf zwei interessante Artikel gestoßen:

SPORT BEI KREBS: SO WICHTIG WIE EIN MEDIKAMENT

Die Wirkungen von Sport bei Krebspatienten wurden in letzter Zeit vermehrt in klinischen Studien untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass körperliche Aktivität messbar die Nebenwirkungen einer Chemo- oder antihormonellen Therapie reduzieren kann.

Und aus dem blauen Ratgeber der Krebshilfe

Inzwischen weiß man, dass nach Brustoperationen, bei denen zusätzlich nur die sogenannten „Wächter“-Lymphknoten (Sentinel-Lymphknoten) entfernt wurden und die Heilung unkompliziert verlief, wieder nahezu alle Sportarten möglich sind.

Egal wie ich mich dann zum Thema Antihormontherapie entscheide. Mit dem Sport kann ich laut Arzt in gut einer Woche wieder starten. Und da muss ich nicht lange überlegen. Damit wird dann sofort wieder begonnen.

 

10.06.16 Tag der Wahrheit

Morgens um 10 Uhr in der ITA der Asklepios Klinik Lich. Die ersten Patienten sind schon mehr als genervt und die Krankenschwestern haben alle Hände voll zu tun die Meute in Schach zu halten. Mutet für uns aber auch seltsam an wenn sich jemand schon nach 45 min. des Wartens beschwert. Da sind wir doch gut trainiert und halten schon mal die ersten zwei Stunden ohne Murren aus. Dann erfahre ich endlich wie es weitergeht mit meinem Mitbewohner.

Eine Frage brennt mir auf der Seele:

Wieso soll sich eigentlich noch so viel Folgetherapie anschließen wenn doch der Tumor komplett entfernt und auch die Lymphknoten nicht befallen sind.

Gleich (oder besser im Laufe des Tages) werde ich das also hoffentlich wissen.

 

07.06.16 Zum Heulen

Und wenn du das Gefühl hast, dass gerade alles auseinander zu fallen scheint, bleibe ganz ruhig.

Es sortiert sich nur neu.

Niemand hat damit gerechnet, ich im Besonderen, dass es nur gute Tage geben wird.

Eine erste Krise hat mich heute morgen erfasst.

Was ist passiert?

Arbeitsmässig bin ich dabei, ja das stimmt. Aber es fällt mir so schwer die Verantwortung für manche Sachen abzugeben. Auch die Befürchtung nicht so eine perfekte Saison wie erwünscht hinzulegen lastet auf mir. Das Ganze gepaart mit einer längst schon bekannten Animosität, haben das Fass dann mal kurz zum Überlaufen gebracht.

Mein derzeitiger Bewegungsmotivator Merlin lässt mich leider im Stich. Es war schon lange abzusehen, dass der alte Herr mit seinen 14 Jahren nicht mehr für ewig so fit bleibt, aber seit gestern geht fast nix mehr. Die Tierärztin hat ihn heute untersucht. Er hat Wasser in der Lunge und ein vergrößertes Herz. Jetzt gibt’s Tabletten und die Hoffnung das es bald wieder etwas besser wird.

Was habe ich mit den Erkenntnissen des Tages gemacht?

Bin alleine ’ne große Runde spazieren gegangen, habe dabei meine Gedanken sortiert und bin dann mental gestärkt nach Marburg an die Arbeit gefahren. Aufgaben sind dazu da, gelöst zu werden.

Und ich weiß jetzt:

Ich kann nichts für die Gefühle die ich in anderen auslöse, dafür ist jeder selbst verantwortlich. Mit diesen Gefühlen und dem Verhalten daraus werde ich mich daher auch nicht auseinander setzen.

 

 

 

05.06.16 Lobhudelei

Es ist jetzt, nach fünf Wochen, Zeit dem Fels in meiner Brandung mal ordentlich zu danken.

Mein lieber Schatz du verstehst es einfach wunderbar mir die Unterstützung zu geben die ich jetzt brauche.

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Versprochen, es geht wieder nach oben

Es ist nicht immer einfach mit mir, wenn ich mich mal wieder (wenn auch immer nur zeitlich begrenzt) in mein Schneckenhaus zurück ziehe und stumm werde. Mich dann auch mal in Ruhe zu lassen ist sicherlich eine hohe Kunst.

Jederzeit zu erkennen, wann und wie du mir hilfreich zur Seite stehen kannst, das finde ich einfach großartig.

Was uns jetzt ungemein hilft ist unsere Offenheit gegenüber dem anderen zu jeder Zeit.

Kein Unverständnis wenn ich heute, am Sonntag, mal für vier Stunden ins Büro verschwinde, sondern einfach nur Freude wenn ich wieder da bin.

Du hast dir viele Tipps aus dem blauen Ratgeber für Angehörige geholt. Damit zeigst du mir, dass du meine Krankheit als Challenge genauso annimmst wie ich.

Wir werden daran wachsen!

DANKE MATTHIAS